Ihre Objekte erzählen von mittelalterlichen Frauenklöstern, vom Heiliggeistspital, von religiösem Leben und sozialer Fürsorge – und damit zugleich von mehreren Jahrhunderten Freiburger Stadtgeschichte.
Viele Werke stammen aus den ehemaligen Dominikanerinnenklöstern der Stadt. Über Generationen bewahrt, sind sie heute Zeugnisse einer außergewöhnlichen klösterlichen Kultur.
Zugleich wird die Sammlung bis in die Gegenwart fortgeschrieben – unter anderem durch Werke der zeitgenössischen Malerin Helga Marten, der Künstlerin Karin Bilyk und dem Maler Conrad K. Schierenberg.
Viele der erhaltenen Objekte stammen aus den vier Vorgängerkonventen des Adelhauser Neuklosters. Sie wurden im 13. Jahrhundert gegründet und waren nicht nur Orte religiösen Lebens, sondern auch weiblicher Bildung und Wissensvermittlung. Eine besondere Rolle spielten dabei die sogenannten Buochmeisterinnen, die Bücher und Handschriften betreuten und Wissen innerhalb des Konvents bewahrten und weitergaben.
Einige Werke besitzen eine besondere kunsthistorische Bedeutung. Von über 3000 Objekten befinden sich eine Auswahl als Dauerleihgabe im Augustinermuseum Freiburg öffentlich zugänglich. Drei bekannte Beispiele sind der Adelhauser Tragaltar, der Maltererteppich und der Johanniskelch.
Auch Hans Wydyz ist in der Sammlung vertreten – einer der bedeutenden Bildschnitzer seiner Zeit am Oberrhein. Werke aus dem ehemaligen Kloster Adelhausen zeigen, wie hochkarätig die Kunstbestände der Freiburger Frauenklöster waren.
buochmeisterin, so nannte man im Mittelalter jene Schwester, die im Frauenkloster für Anschaffung, Aufbewahrung und Ausleihe der Bücher zuständig war.
Frauenbildung ist kein Thema, das wir spontan mit dem Mittelalter verbinden – in den Klöstern gehörte sie jedoch zum Alltag. In den Freiburger Frauenklöstern war Bildung ein wichtiger Teil des klösterlichen Lebens. Die Dominikanerinnen lasen, schrieben, arbeiteten mit Handschriften und bewahrten Wissen über Generationen. Besonders der im 13. Jahrhundert gegründete Konvent von Adelhausen entwickelte sich zu einem bedeutenden Ort weiblicher Bildungs- und Schriftkultur. Handschriften und frühe Drucke aus dem Besitz der Freiburger Dominikanerinnen geben heute Einblick in diese Welt. Ein Teil dieses außergewöhnlichen Erbes befindet sich bis heute im Besitz der Adelhausenstiftung, die damit nicht nur Kunstwerke, sondern auch Zeugnisse jahrhundertelanger Frauen- und Bildungsgeschichte bewahrt.
Der Adelhauser Tragaltar stammt aus dem 8. Jahrhundert und zählt zu den ältesten erhaltenen Tragaltären überhaupt. Der kleine, für den mobilen liturgischen Gebrauch bestimmte Altar ist ein seltenes Zeugnis frühmittelalterlicher Kunst und Frömmigkeit. Seine ungewöhnlich frühe Entstehungszeit und seine Überlieferung machen ihn bis heute zu einem bedeutenden Objekt kunsthistorischer Forschung.
Um den Adelhauser Tragaltar bleiben bis heute Fragen offen. Die kostbaren Materialien lassen einen Auftraggeber aus der karolingischen Elite vermuten; sein genauer Entstehungsort und sein Weg nach Freiburg sind nicht geklärt. Selbst vier Reliquienkammern im Inneren sind noch verschlossen. Mehr als 1.200 Jahre nach seiner Entstehung hat der kleine Altar also längst nicht alle seine Geheimnisse preisgegeben.
Der Maltererteppich, auch „Weiberlistenteppich“ genannt, entstand im frühen 14. Jahrhundert und gehört zu den bedeutenden mittelalterlichen Textilien der Sammlung. Auf dem fast fünf Meter breiten Wand- oder Bankbehang sind Szenen um Samson, Aristoteles, Vergil und den Ritter Iwein dargestellt – berühmte Männer, die der Überlieferung nach durch weibliche List bezwungen werden. Das außergewöhnliche Bildprogramm macht den Textil zu einem besonderen Zeugnis mittelalterlicher Erzähl- und Bildkultur.
Der Messkelch des Heiliggeistspitals entstand Ende des 13. Jahrhunderts beziehungsweise um 1300, vermutlich im Oberrheingebiet. Die vergoldete Silberarbeit ist mit Email verziert und zeigt Darstellungen aus dem Neuen Testament sowie Motive der Evangelisten. Eine 1717 eingravierte Inschrift verweist auf seine spätere Verwendung bei der sogenannten Johannisminne – der Weihe und dem Ausschank von Wein am Johannistag. „Trinke die Liebe des heiligen Iohannis;
die Dich staerke und fiehre in das ewige Leben Amen MDCCXVII“
Dem geweihten Wein wurden Schutz und heilende Wirkung zugeschrieben. Er sollte vor Krankheit, Gift und anderem Unheil bewahren, Segen bringen und Menschen in besonderen Lebenssituationen begleiten. Auch in Freiburg wurde dieser Brauch über Jahrhunderte gepflegt. Der Wein soll vom Heiliggeistspital an Bevölkerung und Pilger ausgegeben worden sein – sogar zum Tode Verurteilte erhielten ihn auf dem Weg zur Richtstätte. Für diesen Ausschank wurde dem Spital eigens ein Rebgelände gestiftet. Der Johanniskelch erzählt damit nicht nur von mittelalterlicher Goldschmiedekunst, sondern auch von religiösen Vorstellungen, Fürsorge und der besonderen Verbindung zwischen dem Heiliggeistspital und dem Freiburger Weinbau.
Rätselhaftes Textil aus dem MittelalterDer sogenannte Papageienteppich entstand um 1330 im Freiburger Raum und gehört heute zum Kunstbesitz der Adelhausenstiftung. Der Bank- oder Wandbehang zeigt ein wiederkehrendes Muster aus rosa Drachen und gelben Papageien, eingefasst in gotische Vierpässe. In den umlaufenden Borten erscheinen zwischen Lilienblüten die Buchstaben des mittelalterlichen Alphabets in gotischer Majuskel.
Trotz wissenschaftlicher Untersuchungen ist die genaue Bedeutung der Motive bis heute nicht eindeutig geklärt. Gerade das macht das Textil besonders: Zwischen Ornament, Symbolik und mittelalterlicher Bildsprache bleibt Raum für unterschiedliche Deutungen. Wiederentdeckt wurde der Papageienteppich erst im Jahr 1900 – in einer Truhe auf dem Speicher des bereits säkularisierten Adelhauser Neuklosters. Ein außergewöhnliches Zeugnis mittelalterlicher Textilkunst, dessen Geschichte bis heute nicht vollständig entschlüsselt ist.
Die sogenannte „Heilige Kokosnuss“ entstand um 1400 im Freiburger Dominikanerinnenkloster St. Maria Magdalen und gehört heute zum Kunstbesitz der Adelhausenstiftung. Kokosnüsse waren im mittelalterlichen Mitteleuropa selten und entsprechend kostbar. Seit dem 13. Jahrhundert gelangten sie aus Asien und Afrika über die Mittelmeerländer und die Alpen bis in das Oberrheingebiet.
Für das Freiburger Reliquiar wurde die Kokosnuss in vergoldetes Kupfer gefasst und mit einem Bergkristall bekrönt. Eine kleine Malerei zeigt Maria Magdalena. Im Inneren befinden sich 14 Holz- und Gebeinpartikel, darunter Reliquien von vier bedeutenden Heiligen des Dominikanerordens. Die „Heilige Kokosnuss“ erzählt damit von mittelalterlichem Glauben, weiten Handelswegen und der Geschichte der Freiburger Frauenklöster.
Die Kunstsammlungen der Stiftungen sind weit umfangreicher als die wenigen bekannten Einzelwerke. Die Galerie zeigt ausgewählte Objekte, Details und Nahaufnahmen aus unterschiedlichen Epochen – von sakraler Kunst und historischem Kunsthandwerk bis zu moderner und zeitgenössischer Kunst. Manche Werke erzählen ihre Geschichte auf den ersten Blick, andere erst im Detail: in Materialien, Formen, Gebrauchsspuren oder kleinen Motiven, die leicht übersehen werden.
Bedeutende Stücke der Sammlungen sind als Leihgaben im Augustinermuseum öffentlich zugänglich. Weitere Kunstobjekte werden im Zentralen Kunstdepot fachgerecht bewahrt. Die Aufgabe der Stiftungsverwaltung reicht dabei vom Erhalt und der Dokumentation der Bestände über Restaurierungen bis zur Begleitung wissenschaftlicher Anfragen und Leihgaben.
Die sechs Kommunalen Stiftungen sind eigenständige Stiftungen mit eigenen Aufgaben und eigenen Vermögen. Die Kunstsammlungen gehören vor allem zur Adelhausenstiftung , weit wesentlich kleinere Bestände auch zur Heiliggeistspitalstiftung und zur Waisenhausstiftung. Dieses kulturelle und progressive Erbe wirkt bis heute in Bildung, sozialer Arbeit und gesellschaftlichem Engagement weiter.
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Bewahren heißt für uns auch zugänglich machen.
Die Kunstsammlungen der Stiftungen machen sichtbar, woher wir kommen – und wie eng ihre Geschichte mit der Geschichte Freiburgs verbunden ist.
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Nicht alle Kunstobjekte stammen aus den mittelalterlichen Klöstern. Über Jahrhunderte gelangten auch durch Stiftungen und Nachlässe weitere Werke in den Besitz der heutigen Adelhausenstiftung und Heiliggeistspitalstiftung.
Stifterinnen und Stifter hinterließen Mobiliar, Gemälde und kunsthandwerkliche Objekte – häufig gemeinsam mit Häusern oder anderem Vermögen.
Ein Beispiel ist die Sammlung des Freiburger Ehepaares Adolf Georg und Ottilie Kuenzer. Im 20. Jahrhundert überließen sie ihr Haus in Günterstal mitsamt Inventar für soziale Zwecke.
Zur Sammlung der Adelhausenstiftung gehört außerdem ein umfangreicher Bestand an Ofenkeramik. Im Zuge der Sanierung des Wentzingerhauses am Münsterplatz wurde 1988 der Nachlass der Freiburger Ofensetzer-Dynastie Krauss erworben. Historische Öfen aus diesem Bestand prägen bis heute die Ausstattung des Wentzingerhauses.
Bis heute ist dieses kulturelle Erbe an mehreren historischen Orten der Kommunalen Stiftungen präsent – unter anderem in der Adelhauser Kirche, in St. Ursula, im Adelhauser Kloster, im Wentzingerhaus und im Kloster Günterstal. Viele dieser Orte bewahren selbst besondere Kunst- und Ausstattungsstücke und machen die Geschichte der Stiftungen unmittelbar erfahrbar – in den Kirchen ebenso wie in historischen Räumen oder der Nonnengruft von St. Ursula.
Die Stiftungsverwaltung bietet regelmäßig kostenfreie Führungen an:
Alle Führungen sind auch unter Veranstaltungen zu finden.
Unsere Kunstsammlungen werden von einem Team unterschiedlicher Fachrichtungen betreut – von Kunstgeschichte und Restaurierung über Konservierung und Sammlungsmanagement bis zur Vermittlung. Gemeinsam sorgen wir dafür, dass Werke erforscht, dokumentiert, erhalten, ausgeliehen und für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.
Sie haben eine Frage zu unseren Sammlungen oder möchten mit uns in Kontakt treten?
Konservatorin und Restauratorin M.A