Versorgung kompetent gestalten - VERNETZEN UND VERMITTELN

Stiftungsfachtag am 18.11.2022 an der Katholischen Hochschule Freiburg


Prof.in Dr. Stefanie Bohlen, Rektorin der Katholischen Hochschule und Erster Bürgermeister Ulrich von Kirchbach steckten in ihren Grußworten  den Rahmen des Fachtages ab: Vor dem Hintergrund der Herausforderungen, die der Fachkräftemangel mit sich bringe, seien Konzepte gefragt, die in der Altenhilfe eine effiziente und effektive gesundheitsbezogene Versorgung ermöglichten. Diese seien an den Bedarfen und Bedürfnissen der alternden Bevölkerung und ihrer Angehörigen auszurichten. In diesem Zusammenhang käme der Vernetzung von Einrichtungen, der Kooperation von professionellem Akteur_innen und der Koordination von pflege- und gesundheitsbezogenen Leistungen eine besondere Bedeutung zu.

Frank Barrois, Vorstand des Caritasverbandes Freiburg-Stadt e.V.  weist im Eingangsreferat auf den rasanten Anstieg von pflegebedürftigen Menschen im  nächsten Jahrzehnt hin, die von 4,6 Millionen auf über 6 Millionen im Jahr 2030 steigen werden. Versorgt werden diese Menschen zu 80% zuhause und davon  mehr als die Hälfte ohne Unterstützungssysteme. Nur 20% der Pflegebedürftigen werden vollstationär versorgt werden. Ohne tiefgreifende Veränderungen wird sich die Pflegesituation in Deutschland massiv verschlechtern, die Anzahl der Pflegebedürftigen wird ansteigen, die Anzahl der Erwerbstätigen wird sinken und auch die Anzahl der pflegenden Angehörigen wird abnehmen. Doch muss es dazu kommen?

Erste Einschätzungen hierzu gab Prof. Dr. Dirk Lauscher, der über die Kostenverteilung in den Sektoren ambulante und stationäre Bereiche darstellte, dass diese Sektoren stets darauf ausgerichtet sind, sich selbst zu erhalten. Er gab in seinem Vortrag erste Impulse, welche Strukturen benötigt werden, um zukünftig eine wohnortnahe Versorgung im interdisziplinären Setting zu schaffen. Durch frühzeitige Entlassungen aus dem stationären Klinikbereichen in die ambulante Versorgung sind hier die Telematik, Kooperationen mit medizinischen Diensten, aber auch Beratungs- und Begleitungssysteme notwendig, um die Qualität entsprechend zu halten. Prof.in Dr. Mirella Cacace ergänzte, anknüpfend an die vorhergehenden Ausführungen, intersektorale Versorgung müsse mit Beratungs- und Netzwerkarbeit einhergehen. Hierfür werden von der Pflege zusätzliche  Kompetenzen  benötigt. Die Akademisierung in der Pflege ist ein erster Schritt. In der stationären Langzeitpflege ist der Einsatz von akademisierten Pflegepersonal noch nicht weit vorangeschritten.  Im Ländervergleich steht Deutschland in dieser Hinsicht nicht gut da, vor allem, weil entsprechende Stellen bzw. Einsatzmöglichkeiten bisher nicht vorgehalten werden.

Prof. Dr. Michael Doh beleuchtet ein anderes, bislang nicht genügend ausgeschöpftes Themenfeld, welches viel Potential berge: Die Digitalisierung. Grundsätzlich lasse sich sagen, dass ältere Personen überwiegend offen gegenüber technischen Neuerungen seien. Eine sehr positive Einstellung zu Technik und Digitalisierung beobachtet man vor allem bei dem jüngeren Senior_innen. Personen höheren Alters haben meistens wenig technische Erfahrungen oder besitzen nicht die entsprechenden Geräte.

Unsere Gesellschaft wird immer älter,  gleichzeitig wird die Welt und  unser Alltag immer digitaler. Was bedeutet das für die Entwicklung von digitalen Angeboten und für die Nutzung derer durch Senior_innen? Einerseits bieten die digitalen Medien ein hohes Potenzial an Teilhabe, besonders für Menschen, die mobil eingeschränkt sind oder technische Hilfsmittel benötigen, um beispielsweise besser hören oder sehen zu können. Andererseits müssen diese Menschen generell offen für digitale Angebote sein und befähigt werden, Angebote nutzen zu können. Die Angebote selbst sollten technisch und didaktisch barrierearm erstellt und gestaltet sein, um für unterschiedliche Einschränkungen angepasst werden zu können.

Zahlreiche bereits bestehende digitale Unterstützungsangebote  werden nicht genutzt, weil die Kenntnis darüber fehlt, dass es diese Angebote bereits gibt. In den Begegnungszentren  und stationären Einrichtungen sollten digitale Gesundheitskompetenzen aufgebaut werden, um diese im Alltag entsprechend einzusetzen. Das Projekt gesundaltern@bw möchte Berührungsängste abbauen und einen sicheren Umgang mit den neuen Medien fördern.

Die oft noch nicht optimal genutzte Ressource der guten Zusammenarbeit mit den Angehörigen stellt Prof.in Dr. Stefanie Engler in ihrem Vortrag in den Fokus. Wenn die Rollen und gegenseitigen Erwartungen geklärt sind, können selbst weit entfernt lebende Angehörige tragende Aufgaben in der Versorgung der Pflegebedürftigen übernehmen. Zentral wird hier zukünftig die Nutzung der digitalen Technik sein.In vielen Fällen übernehmen auch Kinder und Jugendliche, die pflegerische Versorgung ihrer Eltern, welche bisher noch viel zu wenig gesehen und entsprechend unterstützt werden. 

 

Positives Fazit

Das Fazit des Fachtages für mich als Teilnehmer ist sehr positiv. Es gibt zahlreiche Herausforderungen durch die demografische Entwicklung innerhalb der Bevölkerung. Aber geleichzeitig  haben sich 2021 wieder mehr junge Menschen, für eine Pflegeausbildung entschieden, was eine sehr erfreuliche Entwicklung ist, die durch uns alle weiter unterstützt werden kann in dem die Vielseitigkeit des Berufs wie auch die Akademisierung herausgestellt werden. Der Ausbau der Digitalisierung gibt für viele Betagte die Möglichkeit der Teilhabe und sollte stärker in den Fokus gestellt werden.-  Angehörige können (noch) mehr als Ressource gesehen werden und die Pflegebedürftigen, manchmal auch aus der Ferne, unterstützen und - die Ampelregierung hat versprochen die intersektorale Vernetzung voranzubringen.

 

Stiftungsfachtage

Zweimal jährlich finden gemeinsame Fachtage der Evangelischen Hochschule, der Katholischen Hochschule, der Stadt Freiburg, der Heiliggeistspitalstiftung und der Waisenhausstiftung Freiburg statt. Die Fachtage stellen einen Transfer zwischen Wissenschaft und Praxis her, der beide Seiten bereichert. Die Themenschwerpunkte liegen wechselnd im Bereich des Stiftungszwecks der Heiliggeistspitalstiftung und der Waisenhausstiftung, die die Finanzierung der Fachtage übernehmen.

 

Kontakt

Helmut Roemer
Fachbereichsleitung Kinder- und Jugendhilfe

Waisenhausstiftung Freiburg
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Telefon +49 761 2108-215
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