Kartaus soll Standort eines internationalen Kollegs werden

Stadt und Stiftungsverwaltung in konstruktiven Gesprächen über Einrichtung des ersten deutschen "United World College" (UWC)


Robert Bosch Stiftung und Robert Bosch GmbH finanzieren Bauinvestitionen in einer Größenordnung zwischen 30 und 36 Millionen Euro. Geplante Nutzung des Kartaus-Areals sichert der Heiliggeistspitalstiftung einen wirtschaftlichen Ertrag und gewährleistet langfristig sinnvolle und angemessene Nutzung einer historisch wertvollen Immobilie. OB Salomon und Stiftungsdirektor Böhler: "Attraktive und in Deutschland einzigartige Erweiterung der Schullandschaft"

Die Stadt Freiburg und die Freiburger Stiftungsverwaltung stehen in konstruktiven Gesprächen mit der Robert Bosch Stiftung (Stuttgart) und der Deutschen Stiftung United World Colleges über eine Ansiedlung des ersten deutschen "United World College" (UWC) auf dem Areal der Kartaus an der Kartäuserstraße. In der Sitzung des Stiftungsrats am 15. April haben der Vorsitzende des Stiftungsrats, Oberbürgermeister Dieter Salomon, und Stiftungsdirektor Lothar Böhler die Mitglieder über den aktuellen Stand zu einer künftigen Nutzung der Kartaus informiert. Der Stiftungsrat beschloss, dass die Verhandlungen mit der Robert Bosch Stiftung als Investorin für das internationale Schulprojekt mit einem Internat für rund 200 Jugendliche weiter geführt werden sollen. Um die planerischen und baurechtlichen Möglichkeiten für eine Ansiedlung des United World College auf dem Areal zwischen Freiburg und Ebnet auszuloten, schlägt die Stadtverwaltung die Aufstellung eines Bebauungsplans vor, über den der gemeinderätliche Bauausschuss voraussichtlich am 11. Mai entscheiden wird. In der nächsten Sitzung am 10. Mai wird auch der Gemeinderat informiert.

Für die Stadt und die Heiliggeistspitalstiftung eröffnet das Angebot der Robert Bosch Stiftung und der Deutsche Stiftung UWC die Chance, die seit dem Umzug des Pflegeheims nach Littenweiler als provisorisches Kunstdepot zwischengenutzte Immobilie sinnvoll und wirtschaftlich zu nutzen, den alten Gebäudebestand zu erhalten und umfassend zu sanieren, sowie das Ensemble mit einer maßvollen Neubebauung zu ergänzen. Weil das in Teilen über 250 Jahre alte Anwesen des früheren Kartäuserklosters mit einem Bauernhof und etlichen Nebengebäuden zuletzt nicht mehr den Standards eines Pflegeheims entsprach und eine notwendige Generalsanierung wirtschaftlich nicht vertretbar war, baute die Stiftung im Stadtteil Waldsee mit dem Haus Katharina Egg ein neues Heim, das Ende 2008 bezogen wurde.

Seitdem wird das frühere Klostergebäude als provisorisches Kunstdepot der städtischen Museen genutzt; in einem Nebengebäude ist das Freiburger Spielmobil untergebracht. Die Stiftung betreibt außerdem eine zentrale Großküche, die mehrere Heime versorgt. Schließlich ist in der Kartaus auch eine kleine Gedenkstätte für den Pfarrer und Heimatdichter Heinrich Hansjakob (1837 – 1916) eingerichtet, der von 1897 bis zu seinem Tod in dem ehemaligen Kloster gelebt hat.

Durch Vermittlung des Freiburger Unternehmers und Verlegers Christian Hodeige, der selbst Absolvent eines United World College ist, unterbreitete im Januar 2011 die Robert Bosch Stiftung (Stuttgart) der Freiburger Stiftungsverwaltung als Eigentümerin der Kartaus das Angebot, in dem früheren Kloster  das erste deutsche UWC einzurichten. Als die führende Bildungsstiftung in Deutschland setzt sich die Robert Bosch Stiftung seit langem für innovative Schulkonzepte ein. Zum 150. Geburtstag von Robert Bosch will die Stiftung deshalb die Errichtung des UWC in Freiburg ermöglichen. Die Robert Bosch GmbH unterstützt das Projekt mit einem Zuschuss zu den Investitionskosten.

Weltweit bestehen heute 13 United World Colleges, internationale Oberstufenschulen mit jeweils 200 Schülern aus über 70 Ländern. Die Präsidenten der internationalen Bildungsbewegung sind die jordanische Königin Noor und der frühere südafrikanische Präsident Nelson Mandela. Gründer der United World Colleges war der deutsche Reformpädagoge Kurt Hahn (1886 – 1974), der 1962 das erste UWC in Wales als eine Schule für Völkerverständigung, friedliches Zusammenleben und soziales Engagement ins Leben gerufen hat. Die Colleges bieten jungen Leuten im Alter von 15 bis 18 Jahren unabhängig von Herkunft und finanziellen Möglichkeiten die Chance, jeweils zwei Jahre in einer internationalen Gemeinschaft zu leben und zu lernen. Die Schulzeit in einem United World College endet mit dem "International Baccalaureate", das dem deutschen Abitur entspricht. Im Mittelpunkt stehen neben der schulischen Ausbildung die Begegnung mit anderen Sprachen und Kulturen: Jugendliche aus bis zu 80 Nationalitäten leben in einem UWC zusammen. Bis heute haben rund 45.000 Jugendliche die Ausbildung absolviert.

Die Deutsche Stiftung UWC bemüht sich seit mehreren Jahren, in Deutschland eine Schule einzurichten, und war dazu mehrfach auch in  Gesprächen mit der Stadt Freiburg, ohne dass bisher ein geeigneter Standort gefunden werden konnte. Mit der Kartaus und den zugehörigen Flächen steht nun ein Areal zur Verfügung, das nach erster Einschätzung der Robert Bosch Stiftung und der Stadtverwaltung die Voraussetzungen für eine Ansiedlung des UWC erfüllt.

Mit dem Bauvorhaben wird der gesamte Altbaubestand umfassend saniert und instandgesetzt. Darüber hinaus ist ein Neubau auf dem Areal vorgesehen, um das Raumprogramm des UWC mit Unterrichtsräumen, Internet und Funktionsräume für rund 200 Jugendliche unterzubringen. Die baulichen Investitionen (Sanierung des Bestands und Neubau, ohne Anlauf- und Einrichtungskosten) bewegen sich in einer Größenordnung zwischen 30 und 36 Millionen Euro.


Nach dem positiven Votum des Stiftungsrats in seiner Sitzung vom 15. April werden die Stiftungsverwaltung und die Stadtverwaltung die Verhandlungen mit der Robert Bosch Stiftung und der Deutsche Stiftung UWC weiterführen. Als Freiburger Beitrag sollen Stipendien eingebracht werden. Angestrebt wird die Einrichtung eines Erbbaurechts für das Kartaus-Areal und ein Verkauf der aufstehenden Gebäude. Dies sichert der Heiliggeistspitalstiftung einen dauerhaften und sicheren Ertrag aus der Immobilie, die seit dem Auszug des Pflegeheims defizitär war und den Wirtschaftsplan der Heiliggeistspitalstiftung belastet hat. Auch der gesamte Unterhaltungsaufwand für Gebäude und Grundstück gehen auf die Robert Bosch Stiftung über.

Oberbürgermeister Dieter Salomon und Stiftungsdirektor Lothar Böhler werten das Angebot der Robert Bosch Stiftung und der Stiftung United World College als eine in mehrfacher Hinsicht optimale Chance für Freiburg und die Freiburger Stiftungen:

  • Für die Kartaus als eine der traditionsreichen und großen Liegenschaften im Stiftungsbesitz wird eine wirtschaftlich nachhaltige Nutzung möglich, die mit einer grundlegenden Sanierung und Werterhaltung der Immobilie verbunden ist. 
  • Der Haushalt der Heiliggeistspitalstiftung wird durch den Wegfall der bisher von der Stiftung zu tragenden Unterhaltungsaufwendungen entlastet. 
  • Mit der Ansiedlung einer international anerkannten und renommierten schulischen Einrichtung gewinnt Freiburg eine attraktive und in Deutschland einzigartige Erweiterung der Schullandschaft. 
  • Mit der Robert Bosch Stiftung als einer der größten deutschen Stiftungen steht ein solider und leistungsstarker Investor für das United World College zur Verfügung. 
  • Das Projekt mit einem geschätzten Investitionsvolumen zwischen 30 und 36 Millionen Euro für Sanierung, Ausbau und Neubau wäre eines der größten Bauvorhaben in der jüngeren Stadtgeschichte. Es sichert Arbeitsplätze und wirtschaftliche Effekte für die Bauwirtschaft und das Handwerk und schafft neue und dauerhaft sichere Arbeitsplätze.

Weiteres Verfahren: In seiner Sitzung vom 10. Mai wird der Gemeinderat umfassend über den aktuellen Stand informiert.

Am 11. Mai wird der Aufstellungsbeschluss für einen Bebauungsplan im gemeinderätlichen Bauausschuss entschieden. Im Anschluss an den Aufstellungsbeschluss plant die Robert-Bosch-Stiftung in enger Zusammenarbeit mit der Stadt eine sog. Mehrfachbeauftragung an ausgewählte Architektenbüros, die Aufschluss über die Sanierung des vorhandenen Baubestands und einen Neubau auf dem Kartaus-Areal geben soll. Das Ergebnis soll Grundlage des endgültigen Aus- und Neubaukonzepts sein.

Angestrebt wird ein symbolischer Projektstart anlässlich des 150. Geburtstags von Robert Bosch im September 2011.

Das ursprüngliche Klostergebäude selbst wird voraussichtlich noch bis Jahresende 2012 als provisorisches Kunstdepot genutzt. Für die weiteren vermieteten Flächen hat die Stiftungsverwaltung hat das Gespräch mit ihren Mitarbeitern, den Mietern und Nutzern aufgenommen.

Fertigstellung und Beginn des Schulbetriebs: Sommer 2014.
(Presseinformation der Stadt Freiburg)

Kontakt Stadt Freiburg
Walter Preker
Büro für Kommunikation und Internationale Kontakte
Tel. 0761 / 201-1010

Kontakt Stiftungsverwaltung Freiburg
Lothar A. Böhler
Stiftungsdirektor
Tel. 0761 / 2108-110