06.08.2025
Neue Eindrücke und Erlebnisse, Gespräche und Aktivierung im Alltag auf verschiedenen Ebenen erhöhen die Lebensqualität von älteren Menschen. Deshalb hat sich der Freundeskreis Altenhilfe der Heiliggeistspitalstiftung vor rund 20 Jahren gegründet. Die Ehrenamtlichen besuchen Seniorinnen und Senioren, die in den Stiftungseinrichtungen wohnen. Sie bringen ihnen Abwechslung, Freude und Zuwendung in ihren Alltag. Mittlerweile ist die Gründergeneration nicht mehr aktiv, junge Ehrenamtliche engagieren sich mehr und mehr. Zwei von ihnen – Sarah und Angelika– haben gezielt nach dieser Aufgabe gesucht und erzählen von ihrer Motivation.
Besuche, Gespräche führen, Zuhören, Singen und Musizieren, gemeinsames Einkaufen oder in der Gruppe spielen – wer seine Zeit mit alten Menschen verbringen will, kann dies auf vielfältigste Weise tun. Die Studentin Sarah engagiert sich seit April 2023 im Haus Heiliggeist. Zuvor hatte sie sich in ihrem Heimatort um ihre beiden Omas gekümmert. In Freiburg stieß sie bei ihrer Internetrecherche sofort auf den Freundeskreis der Altenhilfeeinrichtungen der Heiliggeistspitalstiftung Freiburg e.V.
Auch Angelika, die seit einem Jahr aktiv dabei ist, fand durch ihre Google-Recherche sehr schnell das Ehrenamtsangebot der Stiftung. Sie wollte ihre Freizeit „sinnvoll verbringen“. Ihre beiden Omas leben ebenfalls nicht in Freiburg und daher suchte sie den Kontakt mit älteren Menschen über den Freundeskreis der Altenhilfeeinrichtungen. Schon als Schülerin spielte sie Klavier für ältere Menschen in einer Pflegeeinrichtung. Das direkte Feedback und die die Freude der Zuhörer_innen gab ihr viel zurück: „Ich spiele und die anderen freuen sich darüber. Ich kann meine persönlichen Neigungen einbringen, von denen andere profitieren.“
Lebensfreude vermitteln und viel zuhören
Angelika und Sarah starteten mit Besuchen von pflegebedürftigen Senior_innen im Haus Heiliggeist. Die tanzbegeisterte Angelika organisiert derzeit einen lateinamerikanischen Tanznachmittag im Haus und vermittelt damit Lebensfreude und Fröhlichkeit. „Ich möchte die Jugendlichkeit der alten Menschen ansprechen und sie mit neuen Reizen stimulieren. Wenn ich mal alt bin, würde ich mich auch über neue Reize freuen“, sagt sie. Die Tanzstunden sind ein voller Erfolg. Ältere Menschen, die ihren Alltag mit einem Rollator bewältigen, werden hier positiv aktiviert und in Bewegung gebracht.
Sarah besucht eine pflegebedürftige Seniorin. Zweimal im Monat schaut sie bei ihr vorbei, führt lange Gespräche und hört zu, nimmt die Einsamkeit und viele Bedürfnisse wahr. Ihre Familie lebt weit entfernt von Freiburg. Die Seniorin erzählt viel aus ihrem Leben und freut sich über den Besuch. „Es ist so wichtig, einfach nur zuzuhören“, sagt Sarah, „das tut älteren einsamen Menschen so gut“. Für Sarah ist diese Tätigkeit eine schöne Abwechslung. Denn normalerweise sitzt sie rund zehn Stunden am Schreibtisch, das Studium ist fordernd: „Mein Ehrenamt gibt mir und den alten Menschen etwas, das uns beiden guttut.“ Aus den Besuchen wurde allmählich eine engere Verbindung, sodass die Studentin von der Familie der hochbetagten Seniorin zum Geburtstag eingeladen wurde. „Die Familie ist sehr dankbar über meine Besuche“, erzählt sie. Die Wertschätzung der Familie, ausgedrückt durch diese Einladung, war für die Studentin ein ganz besonderer Moment: „Wir waren essen und ich war in dem Moment einfach ein Teil der Familie.“
Alle Sinne ansprechen und die Lebensqualität steigern
Angelika sagt: „Im Haus Heiliggeist leben sicherlich auch ganz coole Omis. Sie haben oft ein bewegtes Leben. In ihnen steckt oft noch so vieles, was sie gerne leben möchten und man muss nur einen Weg finden, das zu reaktivieren.“ Sie besuchte eine Zeitlang eine Bewohnerin, die ursprünglich aus Rumänien stammte, und erzählt: „Ich habe rumänische Lieder besorgt und über mein Handy abgespielt. Das war eine große Freude für die ältere Dame.“ Alle Sinne ansprechen und die Lebensqualität steigern – Angelika bringt viel Input ins Pflegehaus, um die vielen Limits, mit denen alte pflegebedürftige Menschen konfrontiert sind, abzuschwächen. Und als die sprachtalentierte junge Frau sich eines Tages auf Rumänisch verabschiedete, zauberte sie damit ein glückliches Lächeln bei der Seniorin hervor. „Seitdem hatten wir unseren persönlichen Insiderwitz und großen Spaß daran“, so Angelika.
Die Freizeit mit und für alte Menschen – worauf kommt es an?
Geduld und viel Verständnis für die ältere Generation und ihre altersbedingten Begleiterscheinungen sowie Verantwortlichkeit und Zuverlässigkeit – das, so betonen Angelika und Sarah, sei sehr wichtig. Manches brauche einfach Zeit. Gleichzeitig warnt Sarah vor zu viel Verbindlichkeit, denn das könne für viele junge Menschen ein Hindernis sein. „Man darf sich nicht zu sehr verpflichtet fühlen“, so die Studentin, „jeder Besuch ist wertvoll.“ Dies wird Ehrenamtlichen auch durch die jeweiligen Hausleitungen vermittelt. „Man macht einfach das, was man kann“, so das entlastende Credo. Einig sind sich beide auch in einem anderen Punkt: Es braucht Eigeninitiative und die Freude am Gestalten eines persönlichen Umgangs.
Die eigene Freude mit einbringen
Mehr Menschen fürs Ehrenamt gewinnen, das ist eine große Aufgabe für den Freundeskreis Altenhilfe. Seit seiner Gründung konnte der Verein insgesamt rund 650 Aktive für die Heiliggeistspitalstiftung vermitteln. Aktuell engagieren sich 160 Ehrenamtliche, über die Hälfte von ihnen sind auch Mitglied im Verein. Über 20 Prozent sind jünger als 39 Jahre. Die größte Gruppe sind die über 60-Jährigen. Wie also lassen sich jüngere Menschen begeistern, einen Teil ihrer Freizeit Seniorinnen und Senioren zu schenken? Eigeninitiative sei gefragt, so Angelika. Wichtig sei, das was einem selbst Spaß mache, einzubringen. Ehrenamt in der Altenhilfe ist spannend und vielfältiger, als manche denken – das betonen beide junge Frauen. Das müsse man mehr zeigen, so ihr Fazit.
Auch Menschen Ü 40 für das Ehrenamt begeistern
Wolfgang Weiler, seit vielen Jahren Vorstand im Freundeskreis Altenhilfe, setzt große Hoffnungen auf die nachfolgende Generation. Das betrifft auch die Kommunikation über die sozialen Medien. Grundsätzlich stellt er fest: „Wir haben kein großes Problem junge Menschen zu begeistern. Viele werden auch wegen der eigenen Großeltern bei uns aktiv.“ Er wirbt bei der Mitmachbörse des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes und schaltet in studentischen Medien. Darüber kann er erfolgreich junge Menschen ansprechen. Schwieriger sei es eher, die 40- bis 60-Jährigen fürs Ehrenamt zu gewinnen. Diese seien oft selbst gebunden in der Kindererziehung oder in der Pflege ihrer Eltern. Oder aber sie atmen gerade auf, weil die Kinder aus dem Haus sind. Wolfgang Weiler führt Vorgespräche mit allen Interessierten und vermittelt sie in die Einrichtungen der Heiliggeistspitalstiftung. Ab dann sind sie eigenständig unterwegs und engagieren sich in Absprache mit dem Sozialdienst der jeweiligen Einrichtung. Wenn Materialien gebraucht werden oder Ausflüge geplant sind, dann kann der Verein hier auch finanziell unter die Arme greifen. Für die Aufbesserung der Vereinskasse wurden vor der Pandemie oftmals Benefizkonzerte veranstaltet. Aktuell finanziert der Verein seine Werbeaktivitäten durch Spenden und Sponsoring.
Sich für die Altenhilfe der Heiliggeistspitalhilfe zu engagieren, bleibt vielseitig und spannend. Egal ob persönlicher Besuch oder das Organisieren einer Veranstaltungsreihe – alles ist wertvoll und erhöht die Lebensqualität von älteren Menschen.
Weitere Informationen zum Freundeskreis Altenhilfe der Heiliggeistspitalstiftung.