Feierliche Urkundenübergabe an Neu-Stipendiat/innen

Adelhausenstiftung und Dr.-Leo-Ricker-Stiftung unterstützen Studienabschlüsse mit 300.000 €


Die Adelhausenstiftung und die Dr.-Leo-Ricker-Stiftung vergeben auch für das kommende Jahr wieder insgesamt 300.000 Euro an bedürftige, begabte Studierende. Für 2019 wurden 33 neue Stipendiatinnen und Stipendiaten aufgenommen. Sie erhalten eine Förderung von maximal zwei Jahren zur Unterstützung ihres Abschlusses im Bachelor-, Master-, Lehramts- oder Promotionsstudiengang. Im Rahmen einer kleinen Feier im Refektorium des Adelhauser Klosters nahmen sie ihre Urkunden aus der Hand von Stiftungsdirektorin Marianne Haardt entgegen.

Mit einer monatlichen Fördersumme von maximal 500 Euro unterstützen die kommunalen Stiftungen wieder zahlreiche Studierende. Die Adelhausenstiftung trägt 190.000 Euro bei, die Dr.-Leo-Ricker-Stiftung 110.000 Euro. „Wir nehmen unseren Bildungsauftrag sehr ernst und freuen uns, dass wir die beruflichen Planungen vieler mittellosen Studierenden durch die Stipendienvergabe unterstützen können“, so Stiftungsdirektorin Marianne Haardt. „Wir erhalten viele Bewerbungen von engagierten und äußerst begabten Studentinnen und Studenten, die aufgrund einer finanziellen Notlage nicht zu Ende studieren können. Mit unseren Stipendien können wir zumindest den finanziellen Druck herausnehmen und helfen“, so Haardt weiter.

Aus über 80 schriftlichen Bewerbungen hatten die Stiftungen 33 Studierende im Vorfeld ausgewählt. Die Zahl der Anfragen war jedoch ungleich höher: Rund 250 Studierende hatten sich im Laufe des Jahres für ein Stipendium interessiert. In den Voranfragen kamen diesmal besonders häufig die neuen Studiengebühren für Studierende aus Nicht-EU-Ländern zur Sprache, die deren Budget seit dem Wintersemester 2017/18 deutlich schmälern.

 

Studentinnen und Studenten aus 20 Nationen erhalten eine Förderung

Die 33 neu aufgenommenen Stipendiatinnen und Stipendiaten kommen aus 20 Nationen. Es gibt jedoch keine Auswahl nach Herkunftsländern. „Wir schauen nie auf die Nationalität. Uns interessieren einzig und allein die persönliche Situation der Studierenden sowie Leistungsstärke und Motivation“, so Aglaya Strauß, zuständige Referentin für Stipendien. Alle Studierenden finanzieren ihr Studium durch Nebenjobs, sie arbeiten unter anderem als Küchenhilfen, machen Sitzwachen an der Uniklinik, geben Sprachunterricht, helfen im Büro und engagieren sich sozial in unterschiedlichen Projekten. Ausländische Studierende haben zudem das Problem der Aufenthaltsgenehmigung oder der finanziellen sowie zeitlichen Mehrbelastung durch Sprachunterricht sowie schwieriger Nebenverdienstmöglichkeiten. Studierende an der Musikhochschule müssen zudem häufig auch teure Musikinstrumente finanzieren.

Neun Studierende, die ab dem kommenden Jahr erstmals von den kommunalen Stiftungen ein Stipendium erhalten, stammen aus Deutschland. Mehrfach vertreten sind auch die Länder Bulgarien sowie Albanien und Syrien. Stark vertreten sind dieses Mal insgesamt Stipendiatinnen und Stipendiaten aus den europäischen Ländern. Weitere Studierende stammen aus Argentinien, Ecuador und Venezuela sowie aus Ägypten, dem Iran, Israel und Kamerun.

Bei den Studiengängen dominieren Medizin und Musik mit jeweils acht Studierenden. Daneben sind Betriebswirtschaftslehre und Volkswirtschaftslehre sowie naturwissenschaftliche Fächer stark vertreten. Die Stipendiatinnen und Stipendiaten studieren außerdem Spanisch, Politik, Umweltwissenschaften, Jura, Informatik, Pharmazie sowie Caritaswissenschaft.

Zusammen mit den Stipendiatinnen und Stipendiaten des vergangenen Jahres erhalten damit insgesamt 67 Studierende im kommenden Jahr eine Förderung für maximal zwei Jahre. Die Auswahlkriterien sind Bedürftigkeit, überdurchschnittliche Leistungen und soziales Engagement sowie ein Studium in Freiburg an der Universität, der Pädagogischen Hochschule oder Musikhochschule.

 

 

Beispielhafte Portraits

 

Anne Beck aus Bahlingen kümmert sich um Menschen mit Behinderung

Die frischgekürte Stipendiatin studiert Chemie und Sport auf Lehramt und ist seit jeher sozial engagiert. Sie kümmert sich seit vielen Jahren um ihren Bruder, der durch Trisomie 21 eingeschränkt ist. Im elterlichen Haushalt war sie lange für die zeitintensive Versorgung des Bruders verantwortlich. „Für mich ist es normal, ich kenne es nicht anders, als einfach anzupacken“, so Anne Beck. Dass sie sich in der Lebenshilfe ehrenamtlich betätigt und Freizeiten organisiert sowie Menschen mit Behinderung betreut, außerdem ein Freiwilliges Soziales Jahr im Diakoniekrankenhaus Freiburg absolviert hat und noch eine Ministrantengruppe geleitet hat – all dies vermittelt auf beeindruckende Weise die persönliche Haltung der 20-jährigen Studentin, die sich jetzt über das Stipendium sehr freut. Fußball ist nebenbei ihre große Leidenschaft, sie hat sechs Jahre lang von der U13 bis zur U21 alle Jugendmannschaften des Sportclub Freiburg durchlaufen und ist dem SC Freiburg als Fan weiter treu verbunden. Sie pendelt täglich von Bahlingen nach Freiburg und radelt dann zwischen Institutsviertel und den Sportanlagen der Universität im Freiburger Osten hin und her. Für das Studium hat sie ihr Ehrenamt mittlerweile etwas eingeschränkt, die Zeit an der Uni ist knapp bemessen.

 

Amira Ragab pendelt zwischen zwei Kulturen

Eine deutsche Mutter und ein ägyptischer Vater – für Amira Ragab war die „Identitätsfindung nicht immer einfach“, wie sie sagt, doch genau darin liegt heute ihre Stärke. Sie studiert Caritaswissenschaft an der Universität Freiburg und hat bereits einen Master in Umweltethik in der Tasche. In Kairo als Muslimin aufgewachsen und an einer deutschen christlichen Schule erzogen, kam sie im Alter von 13 Jahren nach Deutschland, kehrte aber drei Jahre später wieder zurück nach Ägypten. Studienaufenthalte in den USA und in Großbritannien, der kulturelle Spagat zwischen Ägypten und Deutschland - Amira Ragab ist vertraut mit kultureller Flexibilität. Als Yoga- und Deutschlehrerin steht sie ehrenamtlich vielen geflüchteten Frauen in Freiburg bei. Sie hat sich mit islamischer Mystik beschäftigt und forscht zu „spiritual care“ bzw. der Frage, inwieweit sich spirituelle Heilpraktiken positiv auf Traumata als Folge sexueller Gewalt auswirken und zur Heilung beitragen. Derzeit ist sie im Masterstudiengang, auf den eine Promotion aufbauen wird. Ihre Yogakurse werden begeistert von den geflüchteten Frauen angenommen. „Es gibt eigentlich viel zu viele Anfragen“, erzählt sie. Langfristig möchte sie ein sechsmonatiges „traumasensibles Yogaprogramm“ im islamischen Kontext aufbauen.

 

Ihre Ansprechpartnerin für Rückfragen:

Aglaya Strauß M.A.

Referentin für Kunst, Stipendien, Projekte

Stiftungsverwaltung

Tel: 0761/2108-130

Mail: strauss.a@sv-fr.de