Erlebnispädagogische Freizeit als Unterricht

Nach einer mehrtägigen Kanufreizeit im Sommer berichteten nun die beteiligten Schülerinnen und Schüler vor eingeladenen Gästen im Refektorium des Adelhauser Klosters.

SCHUBS

 "Schubs" ist ein ganztägiges Sonderpädagogisches Bildungs- und Beratungszentrum (SBBZ) mit Tagesgruppen und richtet sich an Mädchen und Jungen ab der 5. Klasse, die mit dem traditionellen Unterricht an Regelschulen nicht klarkommen. Mit "Schubs" erleben insgesamt 26 Schülerinnen und Schüler die Schule als einen sicheren geschützten Rahmen und können dort auch den Hauptschulabschluss absolvieren. "Schubs" ist ein Lern- und Lebensraum, der gemeinsam gestaltet wird. Die aktive Beteiligung der Schüler sowie ein individuelles Eingehen auf sie ermöglichen es, neue und positive Erfahrungen mit Schule und Leben in einer Gemeinschaft zu machen.

Erlebnispädagogische Angebote gehören zum Lernkonzept der Schule. Sozialpädagogische Fachkräfte führen diese gemeinsam mit den Lehrerinnen und Lehrern durch. In der Vergangenheit haben sie beispielsweise viermal mehrwöchigeWanderungen auf dem Jakobsweg in Spanien durchgeführt.

 

„Toll, dass Ihr das durchgehalten habt“, begrüßte Stiftungsdirektorin Marianne Haardt die fünf Schüler, die für das Publikum von der Freizeit erzählen sollten. Sie freue sich, dass die Eltern und so viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stiftungsverwaltung an dem Vortrag anwesend seien.

Einrichtungsleiterin Gabriele Duscheleit erklärte, „dass es bei den Schülern für diese unbekannte, herausfordernde Unternehmung Mut erforderte, sich darauf einzulassen. Nicht alle Schüler haben sich das getraut, aber die sich drauf einlassen konnten, haben davon profitiert!“, ist sie überzeugt.

Bei solchen Unternehmungen gehe es um die Vermittlung von Kompetenzen durch den Einsatz erlebnispädagogischer Methoden, um das Erlernen neuer Sporttechniken, um sportliche, körperliche Betätigung, um die Beschäftigung an der frischen Luft und das Übernachten im Freien, um die Vermittlung von technischen Fertigkeiten, beispielsweise Zelte aufbauen, Feuer machen und spontane Reparaturen. Wichtiger seien ihr aber noch die sozialen Kompetenzen, die erworben würden, nämlich die Stärkung des Gruppenzusammenhaltes, die Selbsterfahrung, das Erkennen von bislang unentdeckten Stärken, der Umgang mit Frustration und der Aufschub von Bedürfnissen.

Die Freizeit fand im Sommer am Hochrhein in Murg statt, direkt an der Schweizer Grenze nahe Bad Säckingen. Die sechs Schüler fuhren mit dem hauptamtlichen Pädagogen Herrn von Scheliha und zwei Auszubildenden für Jugend- und Heimerziehung zum Kanufahren. Vor Ort wurde die Gruppe durch Walter Denz, einen früheren pädagogischen Mitarbeiter der Waisenhausstiftung, angeleitet und begleitet. Er betreibt einen Naturcampingplatz mit erlebnispädagogischen Angeboten am und im Rhein. An der motivierten Schülergruppe von Schubs hatte er seine Freude! Die Schüler erlernten das Kanufahren, konnten sich nach einer Wanderung im Wasser zurück zum Campingplatz treiben lassen und erlebten Rafting – eine Fahrt mit einem großen Schlauchboot den Rhein abwärts.

Für die fünf Schüler, die an diesem Abend berichteten, Kai, David, Maximilian, Elias und Diego, war die Präsentation fast noch aufregender als das Kanufahren.

„Ich möchte nie wieder präsentieren, aber Kanufahren macht viel Spaß, obwohl ich anfangs auch etwas Angst hatte“, gestand Elias, und meinte, dass er sich freuen würde, wenn im nächsten Jahr wieder eine solche Freizeit stattfände. Für Kai war die Essenszubereitung das persönliche Highlight, es habe großen Spaß gemacht draußen das Essen zuzubereiten und gemeinsam zu essen. Und Maximilian war begeistert davon, im Rhein zu schwimmen und sich dort über eine lange Strecke von der Strömung treiben zu lassen. Anselm von Scheliha berichtete begeistert: „Die Schüler sind so stolz, dabeigewesen zu sein, sie fanden den Mut sich auf die Angebote einzulassen und die Boote zu steuern. Dadurch erfuhren sie Selbstwirksamkeit“. „Und“, so ergänzt er, „es war eine Gemeinschaftsunternehmung. Alle mussten sich aufeinander verlassen und für alle verlässlich sein. Im Kanu sind die Schüler ein Team, sie müssen zusammenarbeiten, jeder der sich nicht beteiligt behindert die Gruppe.“

In der Präsentation wurde deutlich, dass es um mehr ging als nur ums Kanufahren. Die Schüler waren in der Planung voll beteiligt. In der Vorbereitung mussten die Essen geplant und kalkuliert werden. Auch das Campen musste vorbereitet werden, die meisten Schüler hatten noch nie eine Nacht im Zelt verbracht oder mit Gaskochern und Grill das Essen zubereitet. Jede Menge Neues und Spannendes stand ihnen da bevor. „Aus pädagogischer Sicht ist das doch ideales Lernen“, so Anselm von Scheliha abschließend, „da steckt ganz viel Motivation drin!“

Die Schüler waren sich einig, sie möchten auf jeden Fall wieder zum Kanufahren auf den Rhein – nur länger!