Armenfonds der Waisenhausstiftung fördert mit rund 110.000 Euro

Dieses Jahr im Fokus: Altersarmut


Der Armenfonds der Waisenhausstiftung fördert in diesem Jahr in besonderem Maße drei Initiativen, die sich der Altersarmut und ihren verschiedenen Herausforderungen widmen. Die drei Projekte „Suppentag“ der Arbeiterwohlfahrt, „Lichtblicke für Senioren“ des Forums Weingarten sowie „Altersarmut lindern“ der Freiburger Initiative gegen Arbeitslosigkeit (FRIGA) erhalten insgesamt 16.000 Euro. Jedes Jahr steht ein Gesamtbetrag von 110.000 Euro zur Verfügung, mit denen die Waisenhausstiftung zahlreiche Menschen in Not sowie 26 soziale Projekte unterstützt. Sozialbürgermeister Ulrich von Kirchbach und die Stiftungsdirektorin Marianne Haardt überreichten heute die symbolischen Schecks an die Vertreterinnen und Vertreter der drei Leuchtturmprojekte.

„Die Grundsicherungsquote in Freiburg ist ein deutliches Indiz, dass die Altersarmut ein ernstzunehmendes Thema in unserer Stadt ist“, so Stiftungsdirektorin Marianne Haardt bei der Scheckübergabe.

Die Grundsicherung im Alter ist eine Sozialhilfeleistung, um den Lebensunterhalt im Rentenalter zu sichern. Im Jahr 2017 erhielten in Freiburg insgesamt 2.223 Personen ab Renteneintrittsalter diese Leistung. Seit dem Jahr 2014 ist die Anzahl der Menschen, die auf Grundsicherung angewiesen sind, um sieben Prozent gestiegen. Rechnet man die Menschen in Pflegeheimen sowie jüngere, dauerhaft erwerbsgeminderte Menschen hinzu, beziehen rund 4.100 Menschen eine Grundsicherung. „Die Stadt Freiburg unterstützt die Vernetzung in den Stadtteilen, um zu vermeiden, dass ältere Menschen vereinsamen. Uns ist der soziale Zusammenhalt in den Quartieren wichtig, damit auch alte Menschen mit wenig Geld am gesellschaftlichen Leben teilhaben können“, erklärt Sozialbürgermeister Ulrich von Kirchbach.

„Als Stiftung wollen wir Altersarmut thematisieren, auch gerade deshalb, weil wir in unseren Pflegehäusern diese unmittelbar erleben,“ so Marianne Haardt.
Das Armutsrisiko ab dem Renteneintrittsalter wird in Freiburg bis zum Jahr 2036 auf rund 20 Prozent steigen. „Schon jetzt ist ein Anstieg der Altersarmut zu beobachten, da gerade Rentenansprüche im steigenden Maß nicht den notwendigen Lebensunterhalt abdecken können.“

Leuchtturmprojekte 2019 – für Teilhabe und gegen Vereinsamung
Die Arbeiterwohlfahrt, Kreisverband Freiburg e.V., erhält für ihr Suppentag-Projekt 6.000 Euro. Die Idee: Gemeinsam einkaufen, kochen, essen, und dadurch einer Vereinsamung bedürftiger alter Menschen entgegentreten. Mit dem „Suppentag“ fördert die AWO die aktive Teilhabe der Seniorinnen und Senioren am Gemeinschaftsleben in ihrer Seniorenwohnanlage.
Die FRIGA - Freiburger Initiative gegen Arbeitslosigkeit - versucht, die Altersarmut von Menschen über 55 Jahren zu lindern. Dazu gehören die Aktivierung der Selbstbestimmung und die Revitalisierung von Fähigkeiten und Interessen. So erlernen die Teilnehmenden unter anderem den souveränen Umgang mit Behörden und Antragstellungen. Die Initiative wird mit 5.000 Euro gefördert.
Das Forum Weingarten und die Quartiersarbeit Weingarten-West erhalten ebenfalls 5.000 Euro für das Projekt „Lichtblicke für Senioren in Weingarten“.
Alten Menschen wird so die gesellschaftliche Teilhabe an Kunst und Kultur ermöglicht. Ausflüge für Gehbehinderte sind ebenfalls Teil des Programms.

Breites Förderspektrum für viele Projekte
Das Förderspektrum des Armenfonds ist breit angelegt. So erhalten Projekte, die sich u. a. um geflüchtete Menschen, Langzeitarbeitslose, Kinder von Suchtkranken kümmern, ebenso Unterstützung wie Initiativen, die wohnungslose oder alleinstehende oder von sexuellem Missbrauch betroffene Menschen begleiten. Aber auch Angebote zum Ökosystem Wald oder zur künstlerischen Entfaltung für psychisch erkrankte Menschen werden gefördert.

Mit dem Armenfonds wirkt die Waisenhausstiftung in die Stadt hinein. Sie hilft dort, wo die öffentliche Hand nicht mehr unterstützen kann. Ulrich von Kirchbach: „Wenn der Armenfonds unbürokratisch mit einer finanziellen Zuwendung einspringt, ist das sehr wertvoll für die Stadt Freiburg und ihre Ämter, die durch gesetzliche Regelungen oftmals eingeschränkt werden“, so der Bürgermeister.

Weitere Empfänger: Von großen Institutionen bis zu kleinen Vereinen
Die Zuwendungen des Armenfonds gehen u.a. an etablierte Institutionen wie die Aidshilfe, die Arbeiterwohlfahrt, das Diakonische Werk, den Deutschen Kinderschutzbund, Pro Familia und den Caritasverband Freiburg.
Weitere Empfänger sind das Freiburger Bündnis für Familie, Wildwasser e.V., Wendepunkt e.V., die Telefonseelsorge, Stiftung Waldhaus, die Serviceagentur für Senioren und Familie SAGES sowie die Freiburger Puppenbühne.
Die Vereine Schwere(s) Los, Selbsthilfe mit Köpfchen, OFF Obdach für Frauen in Not und das Jugendbildungswerk Freiburg werden ebenfalls gefördert.
Das Modellprojekt Arbeit mit Kindern von Suchtkranken (MAKS), die Marienhausstiftung Freiburg sowie die Nachbarschaftsbörse Freiburg Ost gehören zu den weiteren Empfängern. Die Fördersummen liegen zwischen 2.000 und 5.000 Euro.

Schnelle und unbürokratische Hilfe für individuelle soziale Härtefälle
Neben der Projektförderung stehen für individuelle Einzelfälle außerdem insgesamt 10.000 Euro an Einzelhilfen zur Verfügung, die das Amt für Kinder, Jugend und Familie sowie das Amt für Soziales und Senioren der Stadt Freiburg an die Betreffenden weiterleiten. Damit werden Kosten etwa für Medikamente, Heizung, Schulausflug, Zahnersatz, Spielsachen oder Kleidung abgedeckt. Mit dieser finanziellen Unterstützung durch den Armenfonds kann die Stadt Freiburg schnell und unbürokratisch auf Notsituationen einzelner Bürgerinnen und Bürger reagieren.

Der Armenfonds der Waisenhausstiftung
Der Armenfonds aus dem 16. Jahrhundert war der Vorläufer der heutigen Sozialsysteme und ist ein Ausdruck bürgerschaftlichen Engagements. Bürgerinnen und Bürger der Stadt Freiburg zahlten in den Fonds ein und unterstützten damit notleidende Menschen. Durch Zustiftungen lassen sich viele soziale Projekte umsetzen. „Auch heute noch sind wir auf solidarisch fühlende Bürgerinnen und Bürger angewiesen, die der Stadt und ihren Menschen Gutes tun möchten“, betonte die Stiftungsdirektorin Marianne Haardt.


Antragsstellung bis 15. November
Anträge auf Zuwendungen des Armenfonds können jedes Jahr bis spätestens 15. November eingereicht werden. Das Antragsformular befindet sich zum Download auf der Webseite der Stiftungsverwaltung Freiburg im Menübereich Stiftungsverwaltung / Information / Fördermöglichkeiten.
Die Waisenhausstiftung entscheidet in Abstimmung mit dem Dezernat III der Stadt Freiburg (Dezernat für Kultur, Integration, Soziales und Senioren) darüber. Bevorzugt werden innovative Projekte im Bereich Erziehung, Bildung, Ausbildungsunterstützung, Soziales und Integration. 

 

 

Auf dem Foto (von Daniel Schoenen) sind von links nach rechts abgelichtet

Forum Weingarten: Herr Mile Stankovic  (Vorstand)
Friga: Gabrielle Wülfers
Stiftungsverwaltung Freiburg: Marianne Haardt (Stiftungsdirektorin)
AWO: Katharina Brockmann (Projektleiterin)
Stadt Freiburg: Herr Erster Bürgermeister Ulrich von Kirchbach 

Ihre Ansprechpartnerin für Rückfragen
Manuela Listorti
Tel. 0761/2108-111
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