21.08.2026

Hitzewelle trifft nicht alle gleich

Presseinformation

Die kommunalen Stiftungen untersuchen ihren Gebäudebestand und bereiten erste Baumaßnahmen vor. Vorrang haben Einrichtungen, in denen Menschen rund um die Uhr leben und arbeiten.

An manchen Tagen scheint es, als ließe sich die Hitze nicht mehr aussperren. Sie steht morgens vor den Fenstern, zieht über Fassaden und Dächer und bleibt bis tief in die Nacht. Im Juni, Juli und August erreichten die Temperaturen in Freiburg während mehrerer Hitzewellen bis zu 38 Grad. An einzelnen Stellen, an denen sich die Hitze staut, wurden sogar 40 Grad gemessen. Der Klimawandel ist damit keine abstrakte Größe mehr. Er ist in den Gebäuden angekommen – und er trifft nicht alle gleich. 


Freiburg erlebt immer häufiger Temperaturen, für die viele Gebäude damals nicht gebaut wurden. Die kommunalen Stiftungen reagieren mit einer nachhaltigen Strategie darauf: Eine neue Arbeitsgruppe untersucht die Einrichtungen, erhebt Belastungen und entwickelt bauliche Lösungen. Vorrang haben Gebäude, in denen Menschen rund um die Uhr leben und arbeiten.

Einige neuere Einrichtungen der kommunalen Stiftungen kommen mit hohen Außentemperaturen vergleichsweise gut zurecht, wie zum Beispiel das Pflegeheim Haus Heiliggeist. Ihre Bauweise, Dämmung und technische Ausstattung helfen dabei, die Wärme draußen zu halten. Andere Gebäude schaffen das nur teilweise. Dazu gehören ältere Einrichtungen ebenso wie Räume der Verwaltung. Dort heizen sich einzelne Büros, Flure und Aufenthaltsbereiche über den Tag auf und was einmal im Gebäude ist, verschwindet je nach Lage und Bauweise auch nachts nicht vollständig. 
Für manche Bewohnerinnen und Bewohner, Klientinnen und Klienten sowie Mitarbeitende werden solche Tage zur Belastungsprobe. Besonders betroffen sind die Bereiche, in denen Betreuung, Pflege und Begleitung nicht einfach unterbrochen oder ins Homeoffice verlegt werden können. Pflegeeinrichtungen sowie Angebote der Kinder- und Jugendhilfe sind rund um die Uhr für Menschen da. Flexible Arbeitszeiten sind dort keine Lösung. Die Menschen müssen betreut werden – auch bei 38 Grad Außentemperatur.

 „Wir schwitzen alle“, sagt Stiftungsdirektor Joachim Sproß, aber sein besonderer Respekt gilt den Mitarbeitenden und natürlich den vielen Bewohnern, die sich der Hitze jeden Tag stellen: in den Einrichtungen, auf dem Arbeitsweg und oft auch zu Hause. Während manche Beschäftigte ihren Arbeitstag verlagern oder zeitweise mobil arbeiten können, gibt es diese Möglichkeit in den operativen Bereichen nicht. Deshalb sollen diese Einrichtungen bei baulichem Hitzeschutz, Klimatisierung und Sanierung Vorrang haben.

 Der Fachbereich Bau und Immobilien hat bereits im Frühsommer eine Arbeitsgruppe Hitzeschutz ins Leben gerufen. Ihr Auftrag reicht weiter als die Anschaffung von Ventilatoren oder einzelnen Klimageräten. Denn die zentrale Frage lautet nicht nur: Wie lässt sich der nächste heiße Tag überstehen? Sondern: Wie müssen Gebäude beschaffen sein, damit sie auch in den kommenden Jahrzehnten funktionieren? Dabei geht es um Verschattung und Dämmung, um Fenster, Fassaden und Dächer, um Lüftung und technische Anlagen, um Begrünung – und um das Zusammenspiel dieser Maßnahmen. 
„Ein Gebäude, das im Sommer möglichst wenig Wärme aufnimmt, muss schließlich auch im Winter zuverlässig nutzbar und energetisch sinnvoll bleiben“, sagt Andrea Katzer, Leiterin des Fachbereichs Bau und Immobilien.

 Die Arbeitsgruppe betrachtet deshalb den gesamten Gebäudebestand: Welche Räumlichkeiten werden durch welche Personengruppen wie lange genutzt? Wo entstehen Temperaturspitzen? Welche Räume kühlen kaum noch ab? Welche baulichen Bedingungen verstärken die Belastung – und welche schützen bereits heute? 
Im Mittelpunkt der Erhebung steht zunächst die Heiliggeistspitalstiftung mit ihren Pflegeeinrichtungen. Hinzu kommen die Einrichtungen der Waisenhausstiftung und der Adelhausenstiftung. Aus Beobachtungen, Nutzerabfragen und Messungen soll eine belastbare Grundlage entstehen, denn Hitzeschutz bedeutet Investitionen – und die müssen sinnvoll priorisiert werden. 

 „Nicht jede Maßnahme wirkt in jedem Gebäude gleich. Meist kann eine außen liegende Verschattung in Form von Raffstores oder Rollläden genug Erleichterung verschaffen, manchmal braucht es eine bessere Dämmung, eine veränderte Lüftung oder eine technische Lösung“, sagt Katzer. Gefragt seien Maßnahmen, die langfristig tragen und für die Stiftungen finanziell möglich sind und bei Bedarf auch schnelle Aktionen die wichtig und richtig sind. „Wir hoffen, dass wir mit den ersten größeren baulichen Maßnahmen im Herbst 2026 beginnen können, und versuchen, so viel wie möglich voranzubringen“, sagt Katzer. 
Eine besondere Herausforderung, um Hitzeschutz voranzubringen, sind denkmalgeschützte Gebäude. Auch dort prüfen die kommunalen Stiftungen, ob und unter welchen Voraussetzungen Maßnahmen für mehr Hitze- und mehr Klimaschutz, wie beispielsweise Fensterläden oder Photovoltaikanlagen, eingesetzt werden können. Dazu befindet sich der Fachbereich Bau und Immobilien im konstrukiven Austausch mit der Denkmalschutzbehörde. Denkmalschutz und Klimaschutz stehen nicht zwangsläufig im Widerspruch, wie können sich ergänzen. Es braucht Lösungen, die den historischen Charakter eines Gebäudes bewahren und zugleich auf die klimatischen Anforderungen der Gegenwart reagieren. 

 

 Klimaschutz zusammendenken

 Für Sproß geht es dabei um mehr als einzelne Hitzeschutzmaßnahmen. Der Klimawandel ist Realität. Er verlangt gemeinsames Handeln und manchmal auch die Bereitschaft, über die eigene Position, über Zuständigkeiten und Einzelinteressen hinauszusehen. Einrichtungen und öffentliche Hand seien ebenso gefordert, wie Unternehmen und jede und jeder Einzelne. Nicht alle haben dieselben Möglichkeiten. Aber alle können dort etwas tun, wo sie Einfluss haben. 
Sein Appell: weniger voneinander abgrenzen, mehr gemeinsam möglich machen. Klimaschutz und die Anpassung an seine Folgen dürfen nicht allein bei sozialen Einrichtungen oder einzelnen Fachbereichen liegen. Es braucht die Bereitschaft, Gewohntes zu überprüfen, Kompromisse einzugehen und Entscheidungen am gemeinsamen Ziel auszurichten. „Der Klimawandel betrifft uns alle. Deshalb müssen wir auch gemeinsam handeln.

 

Hitzeschutz beginnt nicht erst beim Umbau

Bauliche Veränderungen brauchen Zeit. Der Schutz der Menschen in den Einrichtungen muss jedoch bereits heute funktionieren. In der Altenhilfe gibt es deshalb Hitzeschutzkonzepte, die bei hohen Temperaturen greifen. Hitze ist für die Pflegeeinrichtungen nicht neu, auch wenn heiße Perioden häufiger und intensiver werden. 
Ventilatoren, Sonnenschirme und Sonnensegel sind vorhanden und werden dort eingesetzt, wo sie sinnvoll sind. Hinzu kommen organisatorische Maßnahmen und eine angepasste Versorgung. Besonders wichtig ist, dass Bewohnerinnen und Bewohner ausreichend trinken. Der Speiseplan wird um leichte und frische Angebote ergänzt: Obst, Joghurt, Rohkost.

Auch Medikamente können bei Hitze eine Rolle spielen. Bestimmte Präparate, beispielsweise entwässernde Medikamente, beeinflussen den Flüssigkeitshaushalt. Die Mitarbeitenden achten deshalb besonders aufmerksam auf Veränderungen bei den Bewohnerinnen und Bewohnern. Wenn eine Überprüfung der Medikation notwendig erscheint, nehmen die Einrichtungen Kontakt mit den behandelnden Ärztinnen und Ärzten auf. Eine mögliche Anpassung erfolgt ausschließlich nach ärztlicher Entscheidung und in enger Abstimmung. 
Seniorinnen und Senioren, die in den Wohnanlagen der Stiftungen selbstständig leben, und werden einbezogen. Ihnen stehen an heißen Tagen anteilig klimatisierten Räume der stationären Einrichtungen und Begegnungszentren offen. Dort können sie sich aufhalten, abkühlen und zugleich Gemeinschaft erleben.. Auch hier wird in der Zukunft nachgerüstet werden, Priorität haben aber ganz klar die stationären Einrichtungen. 

 Hitzeschutz in der Pflege besteht nicht aus einer einzelnen Maßnahme, sondern aus einem Zusammenspiel von Gebäude, Organisation und Pflege: Jalousien und Rollläden werden frühzeitig geschlossen, Ventilatoren und Sonnenschutz eingesetzt, kühlere Bereiche genutzt und Aktivitäten bei Bedarf in die Morgenstunden verlegt. Getränke stehen gut erreichbar bereit, leichte und wasserreiche Kost ergänzt den Speiseplan und Bewohnerinnen und Bewohner werden regelmäßig zum Trinken animiert. Besonders wichtig bleibt die aufmerksame Pflege. Mitarbeitende achten auf mögliche hitzebedingte Symptome, bieten Möglichkeiten zur Abkühlung an und beobachten besonders gefährdete Bewohnerinnen und Bewohner engmaschig. Bei Bedarf wird die Flüssigkeitsaufnahme dokumentiert und auch die Medikation gemeinsam mit Ärztinnen und Ärzten im Blick behalten. So entsteht Hitzeschutz nicht erst dann, wenn es draußen heiß wird – sondern durch klare Abläufe und viele kleine Maßnahmen, die im Alltag ineinandergreifen.  
Die Bedingungen unterscheiden sich von Haus zu Haus. Manche Einrichtungen sind baulich stärker betroffen, andere sind aufgrund ihrer neueren Bauweise bereits gut aufgestellt - in einigen neuen Häusern bleiben die Räume selbst an heißen Tagen so kühl, dass Bewohnerinnen und Bewohner eine leichte Weste tragen.

 

Handeln, auch wenn noch nicht alles geregelt ist

 Joachim Sproß hat die Leitung der kommunalen Stiftungen im Oktober 2025 übernommen. Der Hitzeschutz ist nur eine von vielen Aufgaben, die in wirtschaftlich und gesellschaftlich schwierigen Zeiten bewältigt werden müssen. Sproß würde verlässliche Förderprogramme, klare gesetzliche Rahmenbedingungen und Finanzierungsmöglichkeiten begrüßen, die den tatsächlichen Anforderungen sozialer Einrichtungen gerecht werden. Gleichzeitig weiß er, dass viele Entscheidungen nicht kurzfristig fallen werden und das bedeutet, dass ein großer Teil der Verantwortung zunächst bei den Einrichtungen selbst liegt. Deshalb gehen die kommunalen Stiftungen mit den Möglichkeiten voran, die ihnen bereits heute zur Verfügung stehen. 
Die gesundheitlichen Folgen extremer Hitze und anhaltender Trockenheit bedrücken Sprosß. Auch die wirtschaftlichen Folgen werden erheblich sein – in Europa, in Deutschland und nicht zuletzt in Freiburg.

Entscheidend ist für ihn trotzdem, welche Handlungsspielräume es gibt und wie sie genutzt werden können: durch Zusammenarbeit, Austausch und tragfähige Netzwerke. Verbinden statt Grenzen ziehen, denn der nächste Sommer kommt und die kommunalen Stiftungen können das Wetter nicht beeinflussen. Aber sie können an den Bedingungen arbeiten, unter denen Menschen in ihren Gebäuden leben und arbeiten. Hitzeschutz ist deshalb mehr als eine bauliche Aufgabe. Er ist Teil der Verantwortung, die soziale Einrichtungen für Menschen übernehmen. 

 

Kontakt

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