06.02.2026

Armenfonds vergibt 130.000 Euro an Freiburger Projekte 

Für Inklusion, Mut und Mitbestimmung – weil jeder Mensch zählt

 

Freiburg, 6. Februar 2026 –  

Es ist ein Wintervormittag im Adelhauser Kloster. Menschen kommen an, stellen Taschen ab, begrüßen sich. Manche kennen sich, viele noch nicht. Was sie verbindet, ist kein gemeinsames Label, sondern eine ähnliche Erfahrung: Sie arbeiten dort, wo es schnell eng wird. Wo Unterstützung für Menschen nicht theoretisch ist, sondern konkret. 

Der Armenfonds der Waisenhausstiftung vergibt in diesem Jahr 130.000 Euro an 33 Projekte und Einrichtungen in Freiburg. Erstmals sind alle Geförderten gemeinsam eingeladen – nicht nur zur Bekanntgabe der Mittel, sondern zu einer Pressekonferenz, die bewusst anders angelegt ist: Kein formeller Akt, kein Abarbeiten von Zahlen. Sondern ein Raum, in dem sichtbar wird, was gefördert wird – und warum. 

Mit dabei sind Oberbürgermeister Martin Horn, Erster Bürgermeister Ulrich von Kirchbach und Stiftungsdirektor Joachim Sproß. Die Stadt Freiburg erhält 15.000 Euro, die direkt an die zuständigen Ämter gehen. Für Einzelfallhilfen. Für Situationen, in denen kein Formular mehr hilft, sondern eine schnelle Entscheidung. Heizkosten, Medikamente, eine dringend benötigte Anschaffung. Kleine Beträge, die im Alltag viel verändern können. 

Der größere Teil der Mittel fließt in Projekte aus den Bereichen Soziales, Bildung, Erziehung und Kultur. Initiativen, die mit Menschen arbeiten, deren Lebenswege von Brüchen geprägt sind: durch Armut, Krankheit, Behinderung, Fluchterfahrungen oder familiäre Belastungen. Viele der Projekte setzen genau an Übergängen an – dort, wo Entscheidungen fallen, die lange nachwirken: von der Schule in die Ausbildung, vom Studium in den Beruf, aus einer Krise zurück in einen Alltag, der wieder trägt. 

Drei der geförderten Projekte stellen ihre Arbeit exemplarisch vor. Fünf Minuten. Keine Präsentation. Ein Gegenstand, eine Szene, eine kurze Geschichte aus der Praxis. Es geht nicht darum, sich zu präsentieren, sondern zu zeigen, was sonst oft unsichtbar bleibt: Wie Förderung ankommt. Und wo sie an Grenzen stößt. 
Im Tumorzentrum Freiburg ermöglicht die Kunsttherapie von Bianca Czichy Menschen mit einer Krebserkrankung einen anderen Zugang zu dem, was sie gerade beschäftigt. Farben, Formen, Materialien ersetzen Worte, wenn diese fehlen. Besonders eng wird es dort, wo Krankheitsverläufe schnell wechseln und psychische Begleitung nicht mitwächst. Die Förderung schafft Zeit, Ruhe und Kontinuität – Dinge, die im medizinischen Alltag selten geworden sind. 
Das Projekt „Bewerbung für meine Zukunft“ der Stadtpiraten, vorgestellt von Johannis Nussbächer, richtet sich an junge Menschen, für die der Übergang von der Schule in Ausbildung oder Studium kein Selbstläufer ist. Hier geht es nicht nur um Lebensläufe und Anschreiben, sondern um Selbstvertrauen. Um die Frage: Was kann ich eigentlich? Eng wird es dort, wo familiäre Unterstützung fehlt oder wiederholte Absagen entmutigen. Die Förderung ermöglicht individuelle Begleitung – und manchmal den ersten Schritt in eine Richtung, die vorher unerreichbar schien. 
Mit „Kick Connect – Willkommen im Sport“ der STEP Stiftung, vorgestellt von Nico Balmaati, wird Sport zum Türöffner. Das Projekt bringt Kinder und Jugendliche in Vereine, die sonst außen vor bleiben würden. Es geht um Bewegung, aber auch um Zugehörigkeit. Eng wird es dort, wo finanzielle Hürden, fehlende Ausrüstung oder Sprachbarrieren Teilnahme verhindern. Die Förderung wirkt konkret: Sie ermöglicht Training, Begegnung und das Gefühl, Teil eines Teams zu sein. 

Der Armenfonds der Waisenhausstiftung blickt auf eine lange Geschichte zurück – er besteht seit dem 13. Jahrhundert. Und doch ist sein Auftrag heute erstaunlich gegenwärtig. Die Fördermittel kommen dort an, wo sie gebraucht werden, und sie kommen in Freiburg an. Ein zentrales Kriterium der Vergabe ist, dass Bedürftige möglichst unmittelbar profitieren. 

Dass alle Projektträger an einem Ort zusammenkommen, ist kein Zufall. Die Stiftungsverwaltung erprobt neue Formate, um Austausch zu ermöglichen – auch zwischen den Projekten selbst. Wer arbeitet an ähnlichen Fragen? Wo überschneiden sich Themen? Wo kann man voneinander lernen, ohne sich vergleichen zu müssen? 
Nach der Pressekonferenz bleibt Zeit für Gespräche. Für Einordnung. Für Interviews. Und für das, was sonst oft zu kurz kommt: Zuhören. 
Vielleicht liegt genau darin die Stärke dieses Vormittags. Dass Hilfe nicht nur verteilt wird, sondern geteilt. Und dass sichtbar wird, wie viel in dieser Stadt getragen wird – oft leise, oft dauerhaft, oft unter schwierigen Bedingungen. 

Kontakt

Öffentlichkeitsarbeit Stiftungsverwaltung Freiburg