20.12.2025
Drei Gruppen Heilpädagogische Förderung entstanden aus einer Weiterentwicklung des Heilpädagogischen Horts am Sandfangweg, deren Träger die Waisenhausstiftung über viele Jahre war.
In der Reinhold-Schneider-Schule, in der Hebelschule und in der Lortzingschule profitieren die Kinder seither von der Heilpädagogischen Förderung der Waisenhausstiftung.
Gemeinsam kochen, basteln, spielen oder Ausflüge machen – für zehn Grundschulkinder bietet die tägliche Betreuung am Nachmittag in der Heilpädagogischen Förderung Struktur und Sicherheit. Es werden Kinder aufgenommen, deren Teilhabe im Zusammenhang mit der Schule und der Betreuung beeinträchtigt ist und die daher individuelle Handlungs- und Lösungsstrategien benötigen. Die Teilhabebeeinträchtigung kann im emotionalen, sozialen oder kognitiven Bereich liegen.
Die Heilpädagogische Förderung (HPF) der Waisenhausstiftung an der Lortzing-Grundschule ist im obersten Stockwerk angesiedelt. Der große helle und freundliche Raum ist wie ein Wohnzimmer. Bis zu zehn Grundschulkinder der Klassen 1-4 erhalten hier direkt nach dem Unterricht eine individuelle Förderung. Sie bleiben den ganzen Nachmittag. „Unser strukturierter Tagesablauf sowie konstante Bezugspersonen bieten ihnen Orientierung und Sicherheit“, erzählt Markus Kirstein, der als Sozialpädagoge die Kinder mit viel Engagement betreut. Zunächst gibt es ein warmes Mittagessen, dann folgt nach einer kleinen Pause die gemeinsame Besprechung auf dem Sofa. Was wollen wir heute machen? Gruppen-Projekte, Hausaufgaben erledigen und spielen – für alles ist Zeit. „Wir geben den Kindern ermunterndes Feedback, sie fühlen sich gesehen und gehört – das ist für sie so wichtig und heilsam“, erzählt Markus Kirstein.
Stärken aufbauen, um den Schulalltag zu bewältigen
Die Kinder bringen ihre verschiedenen Entwicklungsbesonderheiten mit, u. a. ADHS, Angst- und Entwicklungsstörungen, Traumata. Das äußert sich oft in einem problematischen Sozialverhalten. „Wir helfen ihnen dabei, ihre Stärken auszubauen, damit sie den Schulalltag bewältigen können“, so der Sozialpädagoge. „Und wir stecken gemeinsam mit den Eltern individuelle Ziele fest, die wir regelmäßig überprüfen. Die Kinder sind so megastolz und glücklich, wenn wir sie vor ihren Eltern loben, weil sie ihre Ziele erreicht haben“. Drei der aktuell acht Kinder haben Wurzeln im Ausland, einige leben mit unbewältigten Flucht- und Gewalterfahrungen.
Spielerisch lernen
Egal ob kochen, Handpuppen oder Glücksbringer basteln – die Kinder lernen immer dabei. Wissen aneignen, das eigene Sozialverhalten einüben, eigene Stärken entdecken und Empathie für andere aufbauen, das sind die wesentlichen pädagogischen Ziele. Ausflüge, etwa zur Sternwaldwiese, auf den Münsterplatz oder in den Supermarkt, um das Einkaufen zu üben, sind alltagspraktische Projekte, die Spaß machen und hilfreich sind. Kinder werden ermutigt Entscheidungen mitzutreffen, Verantwortung zu übernehmen und den Gruppenalltag mitzugestalten.
„Bei uns zu sein, das ist für viele Kinder wie an einen Wohlfühlort zu kommen “, so Rosalie Di Mauro-Morio, als Einrichtungsleiterin verantwortlich für die Heilpädagogische Förderung an den drei Schulen „wir sind jeden Tag da, sie kennen uns, wir bieten ihnen einen wichtigen Schutzraum.“. Die Kinder profitieren enorm von der Heilpädagogischen Förderung.
Die individuelle Förderung hilft durch den Schulalltag zu kommen
„Die emotionale und soziale Entwicklung vieler Kinder ist nicht altersgemäß“, führt die Sozialarbeiterin aus. Was auffällt: Aggressionen haben zugenommen. Viele Kinder sind überfordert. Dass Schulen nicht nur Orte der Wissensvermittlung sind, sondern auch wichtige soziale Lernorte und Schutzräume – ist eigentlich klar, aber nicht alle Schulen haben diese Lernorte.
Eine weitere Beobachtung: Manche Kinder haben die Fähigkeit verloren, sich in andere hineinzuversetzen. Sie sind weniger empathisch. Deshalb üben sie in der Gruppe, über ihre Gefühle zu sprechen und Grenzen zu zeigen. „Stopp, das will ich nicht“: Das „Stopp-Spiel“ dient dazu, die eigenen Grenzen ebenso wie die Grenzen der anderen Kinder wahrzunehmen und zu akzeptieren. Im Spiel „Gefühlspantomime“ können sie außerdem Scham, Wut, Angst und andere Emotionen mimisch darstellen. Kinder lernen hier, ihre Gefühle wahrzunehmen und auszudrücken.
Info Heilpädagogische Förderung
Die Waisenhausstiftung bietet die Heilpädagogische Förderung für Kinder im Alter von sechs bis zwölf Jahren außerhalb der Schulzeiten in der Reinhold-Schneider-Schule, in der Hebelschule und in der Lortzingschule an.
Bis zu 10 Kinder erfahren durch die Heilpädagogische Förderung, wie sie zum Beispiel musisch und kreativ ihren Alltag verarbeiten können. Zusammen mit den Eltern und Familien entwickeln die Pädagog_innen positive Entwicklungsmöglichkeiten und verändern dadurch belastende Umstände. Sie kooperieren dabei eng mit den pädagogischen Fachkräfte der Schulkindbetreuung, den jeweiligen Lehrer_innen, den Schulsozialarbeiter_innen, den Schulleiter_innen und mit der psychologischen Beratungsstelle der Stadt Freiburg.
Fachbereichsleitung Kinder- und Jugendhilfe