Aus dem Haus für Findelkinder wurde moderne Jugendhilfe

Die Waisenhausstiftung unterstützt seit über 600 Jahren Kinder und Jugendliche. Waren es früher vornehmlich Waisen, so sind es heute Kinder und Jugendliche, die eine besondere Unterstützung beim Heranwachsen und auf dem Weg in die Selbständigkeit benötigen. Wohngruppen, betreutes Wohnen, Jugendwohngemeinschaften, eine Zuflucht für Mädchen, ein heilpädagogischer Hort sowie die Schule für Erziehungshilfe "Schubs" mit dem Berufsstarttraining "BeST" – in all diesen Einrichtungen erfahren Kinder und Jugendliche die nötige Betreuung und Vorbereitung für ein eigenständiges, selbstbestimmtes Leben.

Findelhaus aus dem 14. Jahrhundert

Das Zisterzienserinnenkloster auf dem Portrait einer Äbtissin aus dem 18. Jahrhundert, gemalt 1896 von Sebastian Lutz.

1376 wurde erstmals eine Spende für "funden Kinden" erwähnt. Ein Freiburger Arzt hatte durch seine Donation das erste Findelhaus Freiburgs mitbegründet. Über lange Zeit wurde das Waisenhaus durch "mildtätige Gaben" finanziert. 1775 ermöglichte die Stifterin Agatha Chaquin den Bau eines Waisenhauses in der Löwengasse.

Freiburger Persönlichkeiten wie Heinrich Wanner, Heinrich Sautier und Philipp Merian sorgten im 19. Jahrhundert dafür, dass Waisen beider Konfession sowie jüdische Kinder aufgenommen wurden. 1894 erwarb die Waisenhausstiftung das ehemalige Zisterzienserinnen-Kloster in Freiburg-Günterstal. Bis 1975 waren Ordensschwestern für die Betreuung zuständig, danach wurden sie durch weltliche Erzieher und Sozialpädagogen ersetzt. Das Waisenhaus wurde zugunsten dezentraler Einrichtungen aufgelöst.

Aufarbeitung der eigenen Geschichte

Schwester und "Tante" mit einer Kindergruppe in den 1950er Jahren.

Vor dem Hintergrund der bundesweit geführten Diskussion um den Missbrauch in pädagogischen Einrichtungen ließ die Waisenhausstiftung ihre Geschichte durch den Wissenschaftspublizisten Dr. Dirk Schindelbeck aufarbeiten und veröffentlichte 2013 eine Dokumentation zur Geschichte. Ein zweiter Band mit ausführlichen Portraits folgte 2014. Wesentliche Grundlage waren ausführliche Gespräche mit Zeitzeugen, also vor allem ehemaligen Heimkindern.

Armenfonds und Kooperationen

Die Waisenhausstiftung unterstützt außerdem mit ihrem Armenfonds Einzelpersonen und soziale Projekte in der Stadt. Sie kooperiert zudem mit anderen Stiftungen, die jungen Menschen auf ihrem Weg in die Selbständigkeit helfen.