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An der Straße zum Schauinsland, gleich hinter dem Torbogen in Freiburg-Günterstal, liegt auf der rechten Seite der Gebäudekomplex des ehemaligen Zisterzienserinnenklosters. Bis zum Jahr 1985 beherbergte der Bau das Waisenhaus der Waisenhausstiftung.
Mitte der 80er Jahre hatten neuere Konzepte der stationären Jugendhilfe dazu geführt, die Kinder und Jugendlichen in kleineren, familienähnlichen Wohngruppen unterzubringen. Von diesen Gruppen erhoffte man sich größere Chancen, Entscheidungsfähigkeit, Verantwortlichkeit und Selbständigkeit der Betreuten zu fördern.
Vor 600 Jahren dachte allerdings noch niemand an solche Erziehungsziele. Aus dem Jahre 1376 stammt die erste urkundliche Erwähnung einer Spende für ,,funden Kinden". Ein Freiburger Arzt hatte durch seine Donation das erste Findelhaus Freiburgs mitbegründet. Über lange Zeit trug sich das Waisenhaus wohl mehr schlecht als recht durch die unregelmäßigen ,,mildtätigen Gaben" der Bürgerinnen und Bürger.
1775 übergab die ,,Handelsmännin" Agatha Chaquin eine größere Summe als Stiftung und ermöglichte damit den Bau eines neuen Waisenhauses in der Löwengasse Freiburg. Andere Förderer folgten, darunter so bekannte Namen wie Heinrich Wanner, Heinrich Sautier und Philipp Merian. Letzterer schenkte der Waisenhausstiftung bereits 1825 das ehemalige Museumsgebäude am Münsterplatz und das Haus Engelgasse 10. Ihm ist es auch zu verdanken, dass die bis dahin ausschließlich katholischen Kindern vorbehaltene Stiftung schließlich wahlweise beiderlei Konfessionen in ihre Heime aufnahmen. Eine größere Summe wurde von Merian 1844 mit diesem Stiftungszweck verbunden.
Nach der Gründung eines israelitischen Waisenfonds im Jahre 1869 wurden schließlich auch Kinder jüdischen Glaubens aufgenommen. 1894 wurden die bis dahin getrennten Waisenhäuser für Mädchen und Jungen im ehemaligen Günterstäler Kloster zusammengelegt. Bis 1975 waren für die Betreuung Vincentinerinnen zuständig, danach traten weltliche Erzieher und Sozialpädagogen an die Stelle der Ordensfrauen. Im Zuge der eingangs erwähnten Umstrukturierung wurde 1985 schließlich die pädagogische Arbeit mit einem neuen Namen versehen. Seither heißt sie: ,,Jugendhilfe der Waisenhausstiftung Freiburg i. Br.".
Nicht nur die Konzeptionen und die gesellschaftlichen Erfordernisse haben sich im Laufe der Jahrhunderte verändert. Auch die Bewohnerstruktur ist eine andere geworden. Elternlose Kinder und Jugendliche bilden die kleinste Gruppe in den Einrichtungen der Jugendhilfe der Waisenhausstiftung. Gegenwärtig sind es vor allem Mädchen und Jungen aus problematischen sozialen Verhältnissen und Jugendliche aus anderen Kulturkreisen, die in den Wohngruppen leben, viele der Bewohnerinnen und Bewohner kommen auch aus der Kinder- und Jugendpsychiatrie. Aufgenommen werden können Kinder und Jugendliche in der Regel zwischen 6 und 17 Jahren, die aufgrund ihrer individuellen Lebensgeschichte Defizite im emotionalen und sozialen Bereich aufweisen und vor diesem Hintergrund gezielter pädagogisch-therapeutischer Hilfen bedürfen.
Rund 20 Kinder und Jugendliche zwischen 6 und 18 Jahren werden derzeit in den Häusern der Jugendhilfe von Erziehern und Sozialpädagogen betreut. Die Wohngruppen haben einen eigenen Etat, sie bereiten ihr Frühstück und Abendessen selbst zu, waschen und kaufen ein. An Wochenenden wird miteinander gekocht. Die Pädagoginnen und Pädagogen, die Dienst haben, wohnen in den Häusern.
Außerdem besteht das Angebot einer Schule für Erziehungshilfe (Schubs), in der 18 Jugendliche, die von Regelschulen nicht mehr erreicht werden können, zu einem Hauptschulabschluss geführt werden.
Im Rahmen des Betreuten Wohnens werden Jugendliche in Einzel- oder Mehrzimmerwohnungen pädagogisch betreut und auf ihre Selbstständigkeit vorbereitet.
Das Angebot der Jugendhilfe wird durch die Zuflucht für Mädchen, in der bis zu sechs Mädchen, die nicht mehr weiter wissen oder nicht mehr nach Hause können, aufgenommen werden können, sowie durch den Heilpädagogischen Hort abgerundet.
Die Satzung der Stiftung zum Download









