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Pflege daheim: Durchatmen ohne Schuldgefühle
Neue Angebote der Heiliggeistspitalstiftung entlasten pflegende Angehörige: von Basiskursen zur Pflege über Betreuungsgruppen bis zur Kurzzeitpflege
Die Heiliggeistspitalstiftung Freiburg hat ihre Angebote für pflegende Angehörige und pflegebedürftige Menschen, die zu Hause versorgt werden, ausgeweitet. Die Angebote reichen heute von Schulungen zum Bewegen und Lagern bettlägeriger Menschen über wöchentliche Betreuungsgruppen in den Stadtteilen Herdern und St. Georgen und die Tagespflege bis hin zur Kurzzeitpflege, also einer Heimunterbringung auf Zeit, etwa bei Urlaub oder Krankheit der pflegenden Angehörigen. Eine Beraterin wurde neu eingestellt, die bei Bedarf auch „zugehende Beratung“ macht, also ins Haus kommt. Hintergrund ist die Belastung „auf beiden Seiten“, wie die Leiterin der Altenhilfe, Martina Racki-Flieger, betont.
Die Pflege eines Menschen fordert – körperlich und seelisch. 2009 ergab eine repräsentative Umfrage im Auftrag des FAZ-Instituts und der Techniker-Krankenkasse, dass jeder zweite pflegende Angehörige „burnout“-gefährdet, also sehr erschöpft ist. Die Heiliggeistspitalstiftung will pflegende Angehörige nun verstärkt entlasten – und „auch den Pflegebedürftigen Impulse von außen geben“, erläutert der gesamtverantwortliche Stiftungsdirektor, Lothar A. Böhler.
Eine Million Menschen werden in Deutschland derzeit zu Hause versorgt und betreut, hat das Statistische Bundesamt 2007 ermittelt. Das sind 68 Prozent aller Pflegebedürftigen. Der Einstieg in die neue Aufgabe kommt für die pflegenden Angehörigen meist plötzlich. Der eigene Spielraum wird klein, die körperliche und seelische Belastung ist auf Dauer groß. Die Pflegebedürftigen ihrerseits haben oftmals keine weiteren Kontakte nach außen mehr.
Eine Entlastung sei oft schwierig, weil es den Angehörigen ungeheuer schwer falle, Außenstehende mit einzubeziehen und an den geliebten, pflegebedürftigen Menschen heranzulassen, ist die Erfahrung von Martina Racki-Flieger. Doch sie weiß auch: „Wer dies überwindet und auch die vielleicht zunächst aus Angst erhobenen Vorwürfe des pflegebedürftigen Partners oder Elternteils erträgt, eröffnet sich und dem Pflegebedürftigen eine neue Perspektive“. Das sei meist „eine Erfrischung für die Beziehung“.
Drei Stunden am Montagvormittag trifft sich beispielsweise in St. Georgen eine Betreuungsgruppe für demenzkranke Menschen im Stadtteil St. Georgen. Unter Leitung einer Fachkraft und bei ehrenamtlicher Unterstützung wird in diesen Kleingruppen mit maximal sechs Teilnehmerinnen und Teilnehmern mal gemalt, mal gesungen „viel gelacht“, betont Martina Racki-Flieger. Die Pflegebedürftigen blühten regelrecht auf, „und sie haben zu Hause etwas zu erzählen“, erklärt sie. Neue Begegnungen bedeuteten meist viel Anregung und eine neue Erfahrung von Eigenständigkeit und eines Stücks Freiheit. Und für Angehörige sei so Zeit „zum Durchschnaufen ohne Schuldgefühle“.
Die Teilnahme in St. Georgen kostet zum Beispiel einschließlich Imbiss und Getränken 15 Euro, die jedoch mit der Pflegekasse abgerechnet werden könnten. „Wir beraten auch bei der Finanzierung aller Angebote“, betont Racki-Flieger. Halbtags oder ganztags ist das Betreuungsangebot in Herdern – montags und freitags. Wer mehr Entlastung braucht, wendet sich an die tageweise buchbare Tagespflege im Laubenhof im Stadtteil Waldsee.
Für Angehörige, die einen schwer beweglichen oder bettlägerigen Menschen pflegen, bietet die Heiliggeistspitalstiftung auch Kinästhetikkurse an. Einer läuft jetzt im Juni und Juli, der nächste wird im September angeboten, Anmeldungen sind ab sofort möglich bei RAT, der Telefonberatung Rund ums Alter unter der Telefonnummer 2108-333. Über RAT sind auch Informationen über alle anderen Angebote erhältlich. - Im Kinästhetikkurs lernen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer, Menschen ohne große Anstrengung zu bewegen und deren Fähigkeiten gezielt mit einzubeziehen.
Angehörige, die wegen Urlaub, Beruf oder Krankheit rund um die Uhr Entlastung suchen, können in allen drei Pflegeheimen der Heiliggeistspitalstiftung Kurzzeitpflegeplätze nutzen. „Wir haben offene Häuser und freuen uns, wenn Menschen auch erstmal unverbindlich vorbeikommen und sich ein Bild machen,“ sagt Martina Racki-Flieger. Bis zu vier Wochen übernimmt die Pflegekasse nach je sechs Monaten Pflege zu Hause.
Die Heiliggeistspitalstiftung widmet sich seit mehr als 750 Jahren alten und kranken Menschen in Freiburg. Heute bietet sie in Freiburg Dienstleistungen und Einrichtungen von der Beratung fürs altersgerechte Wohnen in den eigenen vier Wänden über ambulante Dienste, Begegnungsstätten und Gedächtnistraining bis zu Pflegeheimen an.
Ihr Ansprechpartnerin für Fragen
Susanne Taraschewski, Assistentin der Direktion
Tel. 0761/ 2108-130, taraschewski.s@stiftungsverwaltung-freiburg.de
Bilderunterschrift
„Urlaub für beide: pflegende Angehörige und die Pflegebedürftigen selbst profitieren gleichermaßen von den Angeboten zur Unterstützung und Entlastung in der häuslichen Pflege. „
Der Abdruck ist bei Nennung der Bildautorin Margrit Müller honorarfrei.
- Dateien:
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