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Mehr als 300 Gäste feiern 100 Jahre Stiftung
Der Seniorentreff ist heute sichtbares Zeichen der 1912 gegründeten Michael-Denzlinger-Stiftung in Hochdorf. Vermächtnis ist den Hochdorfer Senioren gewidmet
Freiburg – Hätte sich Stifter Michael Denzlinger aus Hochdorf vorstellen können, dass sich gut 100 Jahre nach seinem Tod mehr als 300 Gäste in der Hochdorfer Mooswaldhalle versammeln, um das 100jährige Bestehen seiner Stiftung zu feiern? Wohl kaum. Heute schüttet die Stiftung jährlich 70.000 Euro zum Wohle der Seniorinnen und Senioren im inzwischen eingemeindeten Freiburger Ortsteil aus. Festredner waren der Oberbürgermeister Dieter Salomon, Stiftungsdirektor Lothar A. Böhler, Ortsvorsteher Christoph Lang-Jakob und der Leiter des Seniorentreffs, Wolfgang Bange. Den Abend eröffnet hatte Stiftungs- und Ortschaftsrat Albert Schoenfeld mit einem kurzen Film zur Stiftung und den Hochdorfern.
Die Michael-Denzlinger-Stiftung hat seit ihrer Begründung 1912, zwei Jahre nach dem Tod ihres Stifters, eine wechselvolle Geschichte hinter sich. „Erst gab es Witwer und kein Geld, nachher Geld und keine armen Witwer“ brachte Oberbürgermeister Dieter Salomon einen Aspekt humorvoll auf den Punkt. Denn nur bedürftige Witwer sollten laut Michael-Denzlinger bedacht werden, der damals ein Vermögen von 31.000 Mark überwiegend in Form von Ackerland und Wiesen in seine Stiftung einbrachte. Mittlerweile wurde der Stiftungszweck erweitert auf alle Seniorinnen und Senioren in Hochdorf. Dass sich die Stiftung das auch gut und gern leisten kann, hat seinen Grund in Freiburgs baulicher Entwicklung. Grundeigentum der Stiftung wurde zu Bauland und sorgt heute für einen erklecklichen Ertrag, der jährlich um ein Mehrfaches höher ist als das Stiftungsvermögen vor 100 Jahren.
Stiftungsdirektor Lothar A. Böhler freute sich darüber, dass im Zuge der Recherchen für die Festschrift zum 100jährigen Jubiläum das Original-Testament von Michael Denzlinger gefunden wurde. Im Reigen der insgesamt 102 Stiftungen in Freiburg sei die Michael-Denzlinger-Stiftung zwar nicht bei den Größeren mit dabei, aber für Hochdorf bedeutend. „Wir benötigen noch viele Michael Denzlingers“, schloss Böhler seine Ansprache und regte zu Zustiftungen in die Stiftung an. So könne ein jeder etwas tun, um die Lebensqualität älterer Menschen in Hochdorf zu verbessern.
Schaufenster für die Stiftungsziele und – wie die Umfrage im Eröffnungsfilm ergab – bereits viel bekannter als die Stiftung selbst ist der 2008 eröffnete Seniorentreff im Michael-Denzlinger-Haus. Das ehemalige Schul- und Kindergartengebäude wird heute für Kurse in den Bereichen Gesundheit und Bildung sowie für den Seniorentreff genutzt und ist, das machte auch die Veranstaltung am Mittwochabend deutlich, allseits beliebt. Der Treff lebt vom großen ehrenamtlichen Engagement einiger Hochdorfer Bürgerinnen und Bürger, das im Jubiläumsfestakt entsprechend gewürdigt wurde.
Dabei hatte die Stiftung in den 50er Jahren wegen Vermögenslosigkeit vor der Auflösung gestanden. Einen solchen Antrag hatte der Gemeinderat der damals noch selbständigen Gemeinde Hochdorf bei der Stiftungsaufsicht im Regierungspräsidium eingereicht. Doch diese lehnte ab. 2002 kam die Michael-Denzlinger-Stiftung unter das Dach der Stiftungsverwaltung Freiburg, wo bereits fünf andere kommunale Stiftungen verwaltet werden.
Heute sind Stiftung, Stadt und Ortschaft von dieser Lösung überzeugt. Zunächst profitierte die Michael-Denzlinger-Stiftung von der Expertise der Mitarbeiterinnen der Heiliggeistspitalstiftung, die bereits viel Erfahrung mit Altenhilfe zu bieten hatten. Erste Kurse und auch Unterstützung für Demenzkranke wurden in Hochdorf angeboten, die tageweise Entlastung von pflegenden Angehörigen wurde unterstützt.
Dann bot sich die Chance einen Seniorentreff im Michael-Denzlinger-Haus zu etablieren, einem Gebäude, das auf dem Grundstück des früheren Hofs von Michael Denzlinger gebaut worden war und mittlerweile selbst in die Jahre gekommen ist. Mit einem Mietvertrag bis 2015 in der Tasche begann ein ehrenamtliches Team, die Räume herzurichten und 2008 ein erstes Programm auf die Beine zu stellen.
„Der Spitzenreiter, ach juchhe, war stets das offene Café.“ So reimte Wolfgang Bange, der mittlerweile den Seniorentreff und das 15köpfige ehrenamtliche Team leitet, vor den 300 Gästen im Saal. Die machten auch beim Sitztanz in großer Runde gerne mit.
Die Einbindung des Seniorentreffs und der Stiftung in den Ort machten auch die Grußworte des im gleichen Haus untergebrachten Familien-Treff MütZe Hochdorf e.V. (ehemals Mütterzentrum) und von Anita Reich (Chorvereinigung) deutlich, die stellvertretend für die Vereine in Hochdorf sprach. Pfarrer Claus Trost von der katholischen Pfarrgemeinde St. Martin schloss mit dem salomonischen Fazit: „Auch wenn Michael Denzlinger nicht an die Kirche vererbt hat, so ist die Michael-Denzlinger-Stiftung ein Segen für Hochdorf“.
Verantwortlich für die Entwicklung der Michael-Denzlinger-Stiftung ist ihr siebenköpfiger Stiftungsrat. Vorsitzender ist Oberbürgermeister Dieter Salomon, stellvertretender Stiftungsratsvorsitzender der Ortsvorsteher von Hochdorf, Christoph Lang-Jakob. Dem Stiftungsrat gehören außerdem Wolfgang Bange, Werner Brutscher, Irene Kluge, Manfred Metzger und Albert Schoenfeld an. Gewürdigt wurden auch die Verdienste von Hubert Egle, ehemaliger Ortsvorsteher von Hochdorf, der 35 Jahre dem Stiftungsrat der Michael-Denzlinger-Stiftung bis zu seinem Ausscheiden 2010 angehörte.
Kontakt für Rückfragen und für Bezug der Chronik „100 Jahre Michael-Denzlinger-Stiftung Freiburg-Hochdorf“:
Susanne Taraschewski, taraschewski.s@stiftungsverwaltung-freiburg.de. Tel. 0761/2108-130
Das Foto zeitgt von links nach rechts Stiftungsdirektor Lothar A. Böhler, Ortsvorstand und stellv. Stiftungsratsvorsitzender Christoph Lang-Jakob, OB und Stiftungsratsvorsitzender Dieter Salomon sowie Wolfgang Bange, Leiter des Michael-Denzlinger-Seniorentreffs.
Unter Angabe des Bildautors Eberhard Jobst ist der Abdruck des Fotos honorarfrei.
- Dateien:
100_jahre_MDStiftung.pdf25 K
120216181420-043-Stiftungsverwaltung_.jpg5.7 M







