Kommunale Stiftungen erhöhen Stipendiensumme

Aufstockung auf 300.000 Euro für Studienabschlüsse 2018


Die Adelhausenstiftung und die Dr. Leo-Ricker-Stiftung stocken ab 2018 ihre Stipendienmittel deutlich auf. Sie vergeben an mittellose Studierende insgesamt 300.000 Euro. Dies bedeutet im Vergleich zum Vorjahr eine Erhöhung um über 40 Prozent. Für das kommende Jahr wurden auch deutlich mehr Studierende, nämlich 33 neue Stipendiatinnen und Stipendiaten aufgenommen. Sie erhalten eine Förderung von maximal zwei Jahren zur Unterstützung ihres Studienabschlusses. In einer Feierstunde am 30. November im Refektorium des Adelhauser Klosters nahmen sie ihre Urkunden aus der Hand von Stiftungsdirektorin Marianne Haardt entgegen.


Die zweite gute Nachricht für die Studierenden: Ihre monatliche Fördersumme wurde von 450 auf 500 Euro aufgestockt. Damit reagieren die Stiftungen auf die gestiegenen Lebenshaltungskosten. „Wir haben festgestellt, dass in Freiburg der Stipendienbedarf sehr hoch ist. Gerade in der Bildung ist es uns ein Anliegen, junge Menschen zu fördern und sie beim Studienabschluss zu unterstützen“, so Stiftungsdirektorin Marianne Haardt. „Die Adelhausenstiftung hat ihre Stipendiensumme von 110.000 auf 190.000 Euro erhöht. Damit möchten wir verstärkt unserem Bildungsauftrag gerecht werden“, so Marianne Haardt weiter.


Studierende der Medizin stellen die größte Stipendiatengruppe
Die 34 neu aufgenommenen Stipendiatinnen und Stipendiaten kommen aus zehn Nationen. Zwölf Studierende stammen aus Deutschland. Mehrfach vertreten sind auch die Länder Bulgarien und Georgien mit jeweils sechs Studierenden. Weitere Nationalitäten sind Italien, Togo, Südkorea, China sowie Russland, Syrien und die Ukraine. Bei den Studiengängen dominiert wie auch im Vorjahr Medizin. Daneben sind Musik, Volkswirtschaftslehre und Sprachen beliebte Studienfächer. Außerdem sind die Fächer Pharmazie, Philosophie, Geographie, Politik, Betriebswirtschaftslehre, Psychologie und Jura sowie Anthropologie vertreten.

Maximale Förderung für zwei Jahre
Insgesamt 57 Studierende erhalten damit im kommenden Jahr 2018 eine Förderung für maximal zwei Jahre. Die Auswahlkriterien sind Bedürftigkeit, überdurchschnittliche Leistungen und soziales Engagement sowie ein Studium in Freiburg an der Universität, der Pädagogischen Hochschule oder Musikhochschule. Die meisten Studierenden finanzieren ihre akademische Ausbildung durch Nebenjobs. Das Stipendium soll ihnen ermöglichen, zügig und ohne Jobbelastungen zu Ende zu studieren.



Beispielhafte Portraits:

Medizinstudent Bassel Ibrahim aus Syrien

Das Stipendium ist eine große Entlastung für Bassel Ibrahim. Der 24 Jahre alte Medizinstudent aus Syrien ist seit 2013 in Deutschland und hat im Herbst 2014 sein Studium an der Universität Freiburg begonnen. Er hatte sich ursprünglich in Aleppo an der dortigen Universität eingeschrieben, später in Homs, doch der Bürgerkrieg hat alle Planungen zerstört. Also wagte er den Neuanfang in Deutschland und paukte in kürzester Zeit die neue Sprache. „Ich wollte schon immer Arzt werden“, erzählt er von seiner Motivation. Er assistiert nebenher in der Chirurgie als „Hakenhalter“, wie er diese Tätigkeit mit dem üblichen Medizinerhumor benennt. „Studium plus Nebenjob, das ist ganz schön anstrengend, die Tage sind lang und abends bin ich müde“, erzählt Ibrahim. Umso mehr freut er sich über das Stipendium, das ihm nun mehr Spielraum ermöglicht und darüber hinaus auch seine Aufenthaltsgenehmigung sichert. „Dass die Stiftung meine Notsituation erkannt hat und mir so unbürokratisch unter die Arme greift, dafür bin ich sehr dankbar“, so Ibrahim. Seine Familie hat er seit vier Jahren nicht mehr gesehen. In Deutschland fühlt er sich sehr gut integriert, in Freiburg fühlt er sich sehr wohl. Falls er eines Tages nach Syrien zurückgehen sollte, „dann werde ich viel Gutes mitnehmen“, betont er.

Veronika Schiela aus Deutschland
Sie studiert Musikwissenschaft an der Universität sowie Blockflöte an der Musikhochschule. Die ebenfalls 24-jährige Studentin kommt aus einer traditionsreichen Gerber-Handwerkerfamilie. „Alle mussten immer mit anpacken“, erzählt sie, „gleichzeitig gab es viel Musik bei uns“. Forschung, Lehre, Pädagogik und musikalische Praxis möchte sie später gerne verbinden, überhaupt ist sie eine Brückenbauerin. Sie interessiert sich für zeitgenössische Musik genauso wie für Blockflötenkonzerte des Barock. Und neben ihrem Studium engagiert sie sich ehrenamtlich in der Lebenshilfe und betreut derzeit einen kleinen Jungen mit Entwicklungsverzögerung. Außerdem engagiert sie sich in dem Projekt „MusiCasa“ des studentischen Kulturvereins „zeug und quer e.V.“ und bringt Kindern mit Flucht- und Migrationshintergrund Musik nahe. „Wir machen Workshops an Schulen“, erzählt sie „und freuen uns, wenn die Kinder durch musikalische Erfahrungen hier ankommen und Halt finden können“. Ein Herzensprojekt, denn sie sagt: „Hier gehe ich total auf, die Arbeit mit den Kindern berührt mich sehr und gibt mir viel, von ihnen kommt so viel zurück. Ich bin da auf dem richtigen Weg.“
Über das Stipendium freut sie sich sehr. „Es ist eine wahnsinnige Erleichterung“, sagt sie. Veronika Schiela finanziert sich u.a. als Hilfswissenschaftlerin und gibt Flötenunterricht. Im Sommersemester 2019 beendet sie ihr Doppelstudium.

Stipendien der Dr. Leo-Ricker-Stiftung und der Adelhausenstiftung
Beide Stiftungen unterstützen seit vielen Jahren bedürftige Studierende. Für 2018 fördert die Adelhausenstiftung mit einem Volumen von 190.000 Euro, die Dr. Leo-Ricker-Stiftung mit 110.00 Euro den Studienabschluss der Stipendiatinnen und Stipendiaten. In den letzten 15 Jahren hat sich die Fördersumme mehr als verdreifacht: Waren es im Jahre 2003 insgesamt 25 Studierende, so sind es im kommenden Jahr 57 Personen, die durch die kommunalen Stiftungen mittels eines Stipendiums unterstützt werden. Im gleichen Zeitraum stieg die Fördersumme von insgesamt rund 87.000 Euro auf nunmehr 300.000 Euro.

Ihre Ansprechpartnerin für Rückfragen:
Aglaya Strauß M.A.
Referentin für Kunst, Stipendien, Projekte
Stiftungsverwaltung
Tel: 0761/2108-130
Mail: strauss.a@sv-fr.de

Bild: Stiftungsdirektorin Marianne Haardt (links) bei der Urkundenübergabe an die Studierenden Veronika Schiela und Bassel Ibrahim.